Rezension: Archive und Demokratie

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Helge Kleifeld: Archive und Demokratie. Demokratische Defizite der öffentlichen Archive im politischen System der Bundesrepublik Deutschland, Essen: akadpress 2018, 301 Seiten.

… besprochen in der aktuellen Ausgabe von AMOSinternational. Gesellschaft gerecht gestalten – Internationalen Zeitschrift für christliche Sozialethik (Jg. 13, Heft 3, S. 48):

Gerade an dieser Stelle zeigt sich der Wert der vorliegenden, gut lesbaren  Arbeit, die damit auch sozial- und politikethisch interessant ist: Erstmals werden die Aufgaben, welche Archive im freiheitlich-demokratischen Rechts- und Verfassungsstaat erfüllen, einer politikwissenschaftlichen und demokratietheoretischen Beurteilung unterzogen. Das Thema ist allerdings alles andere als randständig. Angesichts veränderter Partizipationsansprüche – sowohl was ein inklusives Recht auf Information als auch ein datenschutzbezogenes Recht auf Vergessenwerden betrifft – sind die Ergebnisse durchaus brisant, wie der Verfasser selber andeutet, wenn er der eigenen Zunft eine „indifferente und zudem latent forschungsfeindliche Haltung“ (S. 217) attestiert. Und weiter: Die mangelnde Bereitschaft auf Seiten der Archive, ihre Aufgaben in einer sich wandelnden Demokratie selbstkritisch zu reflektieren, „kann als durchaus politisch gedeutet werden“ (ebd.).

Rezension: Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession

https://www.socialnet.de/rezensionen/16449.php

Silvia Staub-Bernasconi hat mit ihrem Paradigma, Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession zu denken, innerhalb der Disziplin einen ungeheuren Widerhall erzeugt. Heute gehören Menschenrechtsfragen flächendeckend zum Curriculum. Der Auftaktband der neuen Reihe „Soziale Arbeit und Menschenrechte“, die programmatisch diesem Disziplinverständnis verpflichtet ist, stellt dieses Paradigma  vor. Den akademischen Gepflogenheiten entsprechend, gebührt der erste Band der Reihenherausgeberin selbst. Axel Bernd Kunze würdigt den Band in einer Besprechung im Onlineportal Socialnet.de:

Cover

Silvia Staub-Bernasconi: Soziale Arbeit und Menschenrechte. Vom beruflichen Doppelmandat zum professionellen Tripelmandat, Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich 2018. 230 Seiten. ISBN 978-3-8474-0166-7. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.

Neue Rezensionen zur Jugend- und Lehrerbildung

Axel Bernd Kunze bespricht aktuell im Rezensionsportal Socialnet.de folgende Titel zur Jugend- und Lehrerbildung:

https://www.socialnet.de/rezensionen/25259.php

Martin Rothland, Ina Biederbeck: Praxisphasen in der Lehrerbildung im Fokus der Bildungsforschung (Beiträge zur Lehrerbildung und Bildungsforschung; 4), Münster (Westf.)/New York: Waxmann 20018, 226 Seiten.

https://www.socialnet.de/rezensionen/25424.php

Cover

Benno Hafeneger/Katharina Unelbach/Benedikt Widmaier (Hgg.): Rassismuskritische politische Bildung. Theorien – Konzepte – Orientierungen (Non-Formale Politische Bildung; 14), Frankfurt a. M.: Wochenschau 2019, 221 Seiten.

Neuerscheinung: engagement 2/2019

Die neue Ausgabe der Zeitschrift engagement beschäftigt sich mit folgenden Themen:

Thementeil:

Das Themenheft widmet sich der Prävention sexualisierter Gewalt in Schulen und Internaten (verantwortlich für den Thementeil: Christopher Haep, Hamburg)

Umschau:

Im thematisch offenen Teil des Heftes fragt Axel Bernd Kunze (Weinstadt/Rems und Bonn): Welche Rolle spielen Internate an Fachschulen für Sozialpädagogik? Überlegungen aus bildungsethischer Sicht.

Besprechungen:

In der Rezensionsabteilung des Heftes werden dieses Mal folgende Titel besprochen:

  • Eva Steinherr (2017): Werte im Unterricht. Empathie, Gerechtigkeit und Toleranz leben (Rez.: Thomas Kesselring, Bern/Schweiz)
  • Michael Pauen, Harald Welzer (2015): Autonomie. Eine Verteidigung (Rez.: Axel Bohmeyer, Berlin)
  • Magdalene Simpfendörfer-Autenrieth (Hg.) (2018): Kindheit. Veränderung und Unveränderliches (Rez.: Axel Bernd Kunze, Weinstadt/Bonn)
  • Manfred Liebel (2015): Kinderinteressen. Zwischen Paternalismus und Partizipation (Rez.: Axel Bohmeyer, Berlin)
  • Volker Ladenthin (2018): Was wir wissen könnnen und was wir glauben müssen. Eine kleine Erkenntnistheorie für den Alltag (Rez.: Johannes Gutbrod, Karlsruhe)
  • Thomas Hald (2018): die abendsonne im glas. Gedichte (Rez.: Volker Ladenthin, Bonn)
  • Ying ChangCompestine (2018): Revolution ist keine Dinnerparty (Rez.: Karin Blank, Bonn)
  • Amalia Rosenblum (2018): Was ist, kann nicht verschwinden (Rez.: Anna Winkler-Benders, Bonn)
  • Britta Teckentrup (2018): Die Schule (Rez.: Dominique Moldehn, Bonn)

Die Zeitschrift erscheint im Münsteraner Aschendorff-Verlag und wird herausgegeben von der Konferenz der Träger Katholischer Schulen in freier Trägerschaft in Deutschland.

Rezension: Wie einflussreich ist der Transhumanismus?

Vor einigen Jahren noch als völlig utopischer Größenwahn verspottet, ist der Transhumanismus heute zu einer ernsthaften Größe im wissenschaftlichen Gespräch geworden. Dieser arbeitet mit den sogenannten GRIN-Wissenschaften; das Akronym steht für Genetik, Robotik, Informations- und Nanotechnologie. Als kurzfristige Ziele gelten die Verlängerung der Lebenserwartung, eine Steigerung der Intelligenz sowie die Überwindung physischer und psychischer Grenzen. Die Erfolgsaussichten transhumanistischer Forschung werden weiterhin skeptisch beurteilt, dennoch besitzt dieser neue Wissenschaftszweig einen erheblichen Einfluss auf die anthropologische und technikphilosophische Debatte. Einzelne Kritiker gehen bis zum Vorwurf, beim Transhumanismus handele es sich um eine „Neoreligion“, die sich der Sprache der Wissenschaft bediene. Die anthropologischen Grenzen sollten verschoben und „posthumane“ Wesen, beispielsweise Cyborgs, Mensch-Tier-Mischwesen oder Designbabys, erschaffen werden. Am Ende transhumanistischer Ziele stehe eine Welt, in welcher der Mensch keinen Platz mehr habe.

Sammelrezension für das Themenheft „Neue Technologien – Fluch oder Segen?“ der Zeitschrift „Concilium“ zu folgenden Titeln:

Benedikt Paul Göcke, Frank Meier-Hamidi (Hg.): Designobjekt Mensch. Die Agenda des Transhumanismus auf dem Prüfstand, Freiburg i. Brsg.: Herder 2018, 532 Seiten.

Bernd Weidmann, Thomas von Woedtke (Hg.): Das menschliche Maß. Orientierungsversuche im biotechnologischen Zeitalter, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2018, 213 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.): Selbstformung statt Selbstoptimierung, in: Concilium 55 (2019), H. 3, S. 362 – 366.

Rezension: Religion – Nation – Emotion

Im vergangenen Jahr sorgte ein sogenannter „Kreuzerlass“ des bayerischen Ministerpräsidenten für Aufmerksamkeit: In allen Landesbehörden muss seitdem sichtbar ein Kreuz hängen. Über das Ansinnen der bayerischen Landesregierung wurde kontrovers gestritten. Namhafte Vertreter der wissenschaftlichen Theologie in Bayern haben mit einer ökumenischen Erklärung ihre Zustimmung ausgedrückt. Die Unterzeichner berufen sich darauf, dass der liberale Rechts- und Verfassungsstaat grundsätzlich das Recht hat, sich zu den ethischen Wurzeln seiner Grundwerte zu bekennen und einen entsprechenden, politisch belastbaren Gedächtnisraum zu fördern. Nicht jeder muss die politische Stoßrichtung einer solchen öffentlichen Erklärung teilen. Aber im wissenschaftlichen Diskurs sollte zumindest das Für und Wider der Debatte wahrgenommen werden, zumal wenn diese so strittig geführt wird wie im vorliegenden Fall. In der Einleitung zum Band „Gender -Nation – Religion“ geschieht dies allerdings nicht. Hier wird das Vorgehen des Freistaates Bayern allein als Beleg dafür genommen, wie weit eine „Form des Populismus inzwischen in die sprichwörtliche ‚politische Mitte‘ eingedrungen ist“ (S. 19). Eine Öffentliche, gesellschaftlich relevante Theologie, die zur politischen Urteilsbildung anregen will, wird alternative Beurteilungen, die der eigenen Position widersprechen, nicht einfach ausblenden dürfen. Andernfalls werden möglicherweise Stimmungen erzeugt, überwiegt am Ende der Affekt. Für eine Theologie, die ihrer Diskursverantwortung gerecht werden will, gehört es, das Selbstverständnis und die Bandbreite der unterschiedlichen, durchaus gegensätzlichen Positionen zunächst einmal unvoreingenommen wahrzunehmen. Erst dann werden Akteursstrategien und Diskursverflechtungen in ihrer gesamten Breite und Tiefe verstehbar und vergleichbar.

Sammelrezension für das Themenheft „Populismus und Religion“ der Zeitschrift „Concilium“ zu folgenden Titeln:

Marianne Heimbach-Steins, Maren Behrensen, Linda E. Hennig (Hgg.): Gender – Nation – Religion. Ein internationaler Vergleich von Akteursstrategien und Diskursverflechtungen (Religion und Moderne; Bd. 14), Frankfurt a. M.: Campus 2019, 210 Seiten.

Stefan Orth, Volker Resing (Hgg.): AfD, Pegida und Co. Angriff auf die Religion? (Edition Herder Korrespondenz), Freiburg i. Brsg.: Herder 2017, 203 Seiten.

Thomas Wabel, Torben Stamber, Jonathan Wieder (Hgg.): Zwischen Diskurs und Affekt. Politische Urteilsbildung in theologischer Perspektive (Öffentliche Theologie; Bd. 35), Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2018, 212 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.): Affektiv-emotionaler Überschuss, in: Concilium55 (2019), H. 2, S. 237 – 241.