Markus Babo rezensiert „Zuflucht – Zusammenleben – Zugehörigkeit?“

Markus Babo (Katholische Stiftungshochschule München) bespricht in der aktuellen Ausgabe 1/2018 der Zeitschrift „Ethik und Gesellschaft“ den Tagungsband des Forums Sozialethik von 2016:

Andreas Fisch, Myriam Ueberbach, Prisca Patenge, Dominik Ritter (Hgg.): Zuflucht – Zusammenleben – Zugehörigkeit? Kontroversen der Migrations- und Integrationspolitik interdisziplinär beleuchtet (Forum Sozizalethik; 18), Münster: Aschendorff 2., durchges. Aufl./2018.

http://dx.doi.org/10.18156/eug-1-2018-rez-3

Aufgelockert und bereichert zugleich wird das umfangreiche Werk durch vier Streitgespräche, die sich gleichmäßig über den Sammelband verteilen und aktuelle politische Kontroversen zur Bedeutung von Politik und Kirche als Akteure der Einwanderungsgesellschaft (147–160), zur Rolle von Bildung und Bildungseinrichtungen bei der Integration (199–209), zur grundsätzlichen Bewertung von Zuwanderung als Bereicherung bzw. Bedrohung (257–267) sowie zur Irritation von Identität durch Migration widerspiegeln (383–396). Auf diese Weise bietet das vorliegende Buch trotz der Heterogenität der einzelnen Beiträge eine Fülle von Perspektiven und Einsichten aus unterschiedlichen Disziplinen, die sehr zur Rationalisierung des politischen Diskurses beitragen können und wichtige Anregungen zum Nach- und Weiterdenken liefern. Gerade angesichts der in Deutschland immer noch unterentwickelten Migrations- und Flüchtlingsforschung besteht darin der eigentliche Wert des vorliegenden Sammelbandes. Bedauerlich bleibt freilich, dass der durchaus überschaubare sozialethische Forschungsstand zum Thema weder erfasst noch verarbeitet wurde. Grundlegend neue Erkenntnisse wird man deshalb nicht erwarten dürfen. Zu wünschen aber bleibt, dass auf dem begonnenen Niveau an den Themen intensiv weitergearbeitet wird.

 

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„Gehaltvolle Streitgespräche“

Die Zeitschrift „AMOSinternational“ würdigt in ihrer aktuellen Ausgabe den migrationsethischen Tagungsband des „Forums Sozialethik“ von 2016, der in diesem Jahr in zweiter Auflage erschienen ist:

Andreas Fisch, Myriam Ueberbach, Prisca Patenge, Dominik Ritter (Hgg.): Zuflucht – Zusammenleben – Zugehörigkeit? Kontroversen der Migrations- und Integrationspolitik interdisziplinär beleuchtet (Forum Sozizalethik; 18), Münster: Aschendorff 2., durchges. Aufl./2018.

Walter Lesch, Sozialethiker an der Katholischen Universität Louvain-la-Neuve, der sich selber stark in der Migrations- und Integrationsdebatte engagiert hat, schreibt in seiner Rezension u. a:

Als weitere Besonderheit ist hervorzuheben, dass die Abfolge der Beiträge durch vier gehaltvolle Streitgespräche zwischen Andreas Fischund Axel Bernd Kunze unterbrochen wird […] Andreas Fisch ist seit seiner migrationsethischen Dissertation zur illegalen Zuwanderung ein bekannter Autor und Referent, der sich als Anwalt einer offenen Migrationspolitik einen Namen gemacht hat. Axel Bernd Kunze steht als Bildungsexperte für den skeptischeren Blick auf Grenzöffnung, Willkommenskultur und ‚heiler Multikultiwelt‘ […] Beide liefern sich eine Debatte auf hohem Niveau: ohne voreilige Zugeständnisse, mit Respekt vor dem Gesprächspartner und großem Ernst im Ringen um die besseren Argumente. Wer diese Streitgespräche liest, wird mitten in die unvermeidlichen Reizthemen des Migrationsdiskurses eingeführt und ist Zeuge eines ‚Schlagabtauschs‘ im Interesse der demokratischen Meinungsbildung. Der Katalog der dreißig Fragen, die von den Kontrahenten abgearbeitet werden, ist klug ausgewählt, pointiert formuliert und kenntnisreich diskutiert. Das ist ‚hart aber fair‘ im besten Sinne aufklärerischer Streitkultur.

Walter Lesch (Rez.): Zur Migrations- und Integrationspolitik, in: AMOSinternational 12 (2018), H. 3, S. 52 f., hier: 52.

Die Rezension ist online greifbar:

http://www.kommende-dortmund.de/kommende_dortmund/medien/2231/original/71/amos_18-3S41-54-Buchbesprechungen.pdf

Rezension: Sicherheit braucht Vertrauen

Das neue Themenheft der internationalen Zeitschrift CONCILIUM beschäftigt sich mit Fragen „Menschlicher Sicherheit“ – aus ethischer wie theologischer Perspektive. In einer Sammelrezension mit dem Titel „Sicherheit braucht Vertrauen“ würdigt der Bonner Sozialethiker und Pädagoge Axel Bernd Kunze folgende Titel:

Regina Ammicht Quinn (Hg.): Sicherheitsethik (Studien zur Inneren Sicherheit; 16), Wiesbaden: Springer VS 2014, 296 Seiten.

Andreas Fischer-Lescano, Peter Mayer (Hgg.): Recht und Politik globaler Sicherheit. Bestandsaufnahme und Erklärungsansätze (Staatlichkeit im Wandel; 17), Frankfurt am Main/New York: Campus 2013, 401 Seiten.

Andrea Gawrich, Wilhelm Knelangen (Hgg.): Globale Sicherheit und die Zukunft politischer Ordnungen, Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich 2017, 276 Seiten.

Zwei Stimmen zum „Lexikon der Schulsozialarbeit“

Konzeption des Lexikons der Schulsoziarbeit

Das Lexikon der Schulsozialarbeit orientiert sich an den vielfältigen Aufgaben und Aufträgen sowie an den sozialen Problemen in der Schule und ihrem sozialräumlichen Umfeld.

Neben praxisrelevanten Fragestellungen werden auch maßgebliche wissenschaftstheoretische Diskurse thematisiert. Vor diesem Hintergrund bieten funktionale Verbindungslinien und inhaltliche Verknüpfungen eine hervorragende Orientierungs- und Entscheidungshilfe zur Beantwortung der sich in Forschung, Wissenschaft, Studium und Praxis stellenden Fragen.

Die Freiheit der inhaltlichen Gestaltung der von den Autorinnen bzw. Autoren präsentierten Stichwörter und die damit verbundenen Aussagen waren eine Grundbedingung, die dazu geführt haben, dass zu einzelnen Fragestellungen zahlreiche Anregungen, mitunter aber auch kontroverse Positionen und folglich unterschiedliche Antworten gegeben werden und/oder einzelne Passagen sich bewusst überschneiden (z.B. aus dem Blickwinkel der Erziehungs- und Bildungsinstanzen ‚Schule‘ und ‚Jugendhilfe‘). Zugleich werden aber auch aufgrund der Natur des Gegenstandsbereiches Schulsozialarbeit deren Verbindungslinien hervorgehoben und Schnittmengen benannt. Mit derartigen Entwicklungen und widersprüchlichen Wahrnehmungen werden zum Teil irrationale Reflexe bedient und aus unterschiedlichen Perspektiven kontroverse Diskussionen angefeuert. Insofern spiegeln ‚abweichende Meinungen‘die Vielfalt alltäglicher Praxis der Schulsozialarbeit sowie die in der Literatur erkennbaren unterschiedlichen Auffassungen zu teilweise heftigen Streitfragen und praxistauglichen problemlösenden Maßnahmen wider. Dieser Widerstreit wird von dem Herausgeber bewusst in Kauf genommen und zugleich begrüßt, zumal die jeweiligen Aspekte der Schulsozialarbeit in unterschiedlichen Bereichen, Blickfeldern und Zusammenhängen – auch differenziert nach einzelnen Bundesländern (beachte die Kulturhoheit der Länder) – auftreten, die in einzelnen Bereichen und Sektoren noch erweiterungsfähig sind. Diese stellenweise mit Vehemenz geführten Auseinandersetzungen begründen sich z.B. in der spannungsgeladenen Widersprüchlichkeit des jeweiligen gesellschaftlichen Grundverständnisses von Grundvoraussetzungen und Rahmenbedingungen der Erziehung, Bildung, Sozialisation und letztlich auch der Schulsozialarbeit. Offene Fragen, wo Antworten nicht einfach sind, werden nicht unter den Teppich gekehrt, sondern mit ernstgemeinter Gestaltungsverantwortung problemlösenden Maßnahmen zugeführt. Zudem ist es nicht das Bestreben des Herausgebers, strittige Meinungen dogmatisch auszutragen oder eigenen Reformideen zum Durchbruch zu verhelfen. Letztlich geht der Herausgeber davon aus, dass sich Schulsozialarbeit durch einem stetig zu befördernden Diskurs zu den System- und Funktionszusammenhängen sowie durch die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Auffassungen, Meinungen und Standpunkten gewinnbringend weiter entwickeln wird und demokratische Grundsätze und vor allem Kinderrechte sichern helfen.

Die von rund 200 Autorinnen und Autoren verfassten über 450 Stichworte bieten eine erste Auswahl und sorgfältige Darstellung schulsozialarbeiterischer Grundlagen und Rahmenbedingungen. Ergänzt mit fachpraktischen Hinweisen, Kindeswohl fördernden Erfahrungen und einer gezielten Auswahl von zum Teil ineinandergreifender Best-Practice Beispiele wird das Lexikon der Schulsozialarbeit dem rasant wachsenden Bedeutungsgewinn der Schulsozialarbeit gerecht und leistet darüber hinaus einen wichtigen innovativen Beitrag zur Professionalisierung des Praxisfeldes Schulsozialarbeit.

Das Lexikon der Schulsozialarbeit wird von dem Sozialarbeiter und Erziehungswissenschaftler sowie ehemaligen Jugendamtsleiter Herbert Bassarak herausgegeben, der zum einen während seiner Studienzeit in dem Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund bei Prof. Dr. Hans-Günter Rolff wirkte und zudem über dreißig Jahre in Fachausschüssen des Deutschen Vereins als ordentliches Mitglied gewirkt hat und darüber hinaus Gründungsmitglied und seitdem Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit Bayern e.V. ist. Herbert Bassarak ist zugleich Mitinitiator des im deutschsprachigen Raum ersten Masterstudienganges Schulsozialarbeit, der an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt angeboten wird und seit 2016 mit großem Erfolg läuft.

Herbert Bassarak (Herausgeber), Vorstand BAG Schulsozialarbeit und Vorstand LAG Schulsozialarbeit Bayern e. V., Lauf

 

Herbert Bassarak (Hrsg.): Lexikon der Schulsozialarbeit,  1. Aufl., Baden-Baden: Nomos 2018, ISBN-13: 978-3-8487-1594-7, 98,00 Euro.

 

Zukunftsträchtiges Arbeitsfeld mit praxisrelevantem Nachschlagewerk

Es ist ein großes Projekt, das sich Professor Herbert Bassarak vorgenommen hat: Ein Lexikon der Schulsozialarbeit, das vor allem Beiträge von praktizierenden Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen enthalten soll und möglichst praxisrelevant das weite Feld der Sozialarbeit an Schulen abdeckt. Gleichwohl ist es hier gelungen, die Vielseitigkeit des Handlungsfeldes auch in den verschiedenen Beiträgen von über 200 Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum einzubringen, ohne dass das Fachliche oder die Leserlichkeit der Texte beeinträchtigt wurden. Dieses Lexikon bietet den so notwendigen wissenschaftstheoretischen Diskurs, indem vielseitige Fragestellungen zu den Bildungs- und Erziehungssystemen erörtert werden. Dabei ist es dem Herausgeber ein ausgesprochenes Anliegen, dass die Autorinnen und Autoren selbstverantwortlich zu ihren Beiträgen stehen und so die insgesamt über 450 Stichworte auch teils kontroverse Standpunkte beinhalten.

So wird schon im ersten Stichwort die „Abgrenzung Jugendsozialarbeit an Schulen und Schulsozialarbeit“ diskutiert und im letzten Beitrag „Zwangsheirat“ sowohl vom rechtlichen, psychologischen, sozialarbeiterischen und kulturellen Aspekten als auch bezüglich Präventionsangeboten erörtert. Die Verknüpfung der praktischen und theoretischen Gesichtspunkte unterschiedlicher Disziplinen machen auch den Geist dieses Lexikons aus. Hier wird ausgesprochen praxisbezogen beschrieben, ohne sich in kleinschrittigen Punkten zu verlieren. Vielmehr sind die fachpraktischen Hinweise und die dargestellten Erfahrungen mit Projekten und Medien gut dosiert präsentiert. Diese gezielte Auswahl von Best-Practice Beispielen macht das Lexikon der Schulsozialarbeit zu einem vortrefflichen Nachschlagewerk. Das Pendel bewegt sich dabei von direkt im schulischen Kontext eingreifenden Punkten bis hin zu Aspekten, die mehr der Jugendhilfe als dem Bildungsbereich zugeordnet werden. Entsprechend der konzeptionellen Vielfalt der Sozialarbeit an Schulen können hier Praktikerinnen und Praktiker sich bei einzelnen Stichwörtern vertieft befassen. Ob nun Sucht, Gewalt, Schweigepflicht, Selbstverletzendes Verhalten, Elternarbeit, Sozialraum, Schutzkonzepte, Pubertät, Sozialtrainings, Suizidprävention, Cybermobbing, Mädchenarbeit, Essstörungen oder Ganztagsschule, politische Bildung oder Berufsorientierung: Hier findet jede Fachperson aus der Sozialen Arbeit an Schulen entsprechende Verknüpfungen zu der praktischen Arbeit bzw. der entsprechenden Reflexion. Die Übersichtlichkeit ist durch den Fettdruck der Stichwörter und die nicht übermäßigen Längen der einzelnen Beiträge mit der begrenzten Anzahl an Literaturhinweisen sowie die große Anzahl von binnenstrukturellen Querverweisen gegeben. Ein Stichwortverzeichnis (leider ohne Angabe der jeweiligen Autorenschaft) und ein 75seitiges, oft sehr aktuelle Titel berücksichtigendes Literaturverzeichnis helfen beim strukturellen Lesen des Lexikons. Beim Autoren/-innen-Verzeichnis werden die beruflichen Hintergründe und Emailanschriften aufgeführt. So lässt sich gegebenenfalls auch Kontakt zu den einzelnen Personen aufnehmen. Die beeindruckend hohe Anzahl an Beiträgen verdeutlicht die Komplexität des Arbeitsfeldes und den hohen Anspruch, der an die Schulsozialarbeiter/-innen gestellt wird. Wer sich die Liste der Stichwörter anschaut, wird den Punkt Sexualpädagogik vermissen, obgleich diese in der praktischen Arbeit eine bedeutende Rolle spielt. Hier würde man sich für die nächste Auflage einen Beitrag wünschen. Alles in allem ist dieses Lexikon eine ausgesprochen vielseitige Ansammlung an Informationen und fachlichen Einschätzungen. So ist es ein hervorragendes Beispiel zur weiteren Professionalisierung des so zukunftsträchtigen Praxisfeldes. Dieses Lexikon sollte in jedem Jugendamt Schule machen und in jeder Schule helfen, dass die Schülerinnen und Schüler zugleich auch als Kinder bzw. Jugendliche wahrgenommen werden. Denn es bedarf auf Dauer einer fundierten Konzeptionierung und verlässlichen Ausstattung an Personal und Räumen, damit Schulsozialarbeit in all ihren Möglichkeiten wirksam werden kann. Das „Lexikon der Schulsozialarbeit“ ist hierfür ein hervorragender Baustein!

Detlef Rüsch (Rezensent)

Der Rezensent ist als Diplomsozialpädagoge, systemischer Familientherapeut und Supervisor in Landshut tätig.

 

Viele Jahre lang wurde darüber nachgedacht und diskutiert, was Schulsozialarbeit ist, was sie ausmacht. Klar war immer, dass Schulsozialarbeit eine gewichtige Sache ist. Dies wird einem so richtig bewusst, wenn man die erste Ausgabe des „Lexikons der Schulsozialarbeit“ mit seinen knapp 1500 Gramm in Händen hält.

Nun kann man sich getrost hineinbegeben in diesen „Dschungel“. Rund zweihundert Autorinnen und Autoren bieten ihre jahrelang gemachten praktischen Erfahrungen und Ergebnisse beharrlicher wissenschaftlicher Auseinandersetzung in diesem Werk mit seinen über 450 Stichworten an. Dieser immer wichtiger werdende Bereich der Sozialen Arbeit wird äußerst praxisnah, lebendig und anschaulich der Leserschaft präsentiert.

Manches ist leider in diesem Lexikon (noch) nicht erfasst, so dass man gelegentlich schmerzliche Lücken zu spüren bekommt. Der Grund hierfür ist wohl in der Weite und in der rasanten Entwicklung dieses wichtigen Bereiches der Sozialen Arbeit zu suchen. Es hätten sich mit Sicherheit auch mehr Fachleute zu Wort melden können und müssen. Der Informationswert dieses Buches hätte dann annähernd der erlebbaren Situation entsprochen und somit den Bedürfnissen des Suchenden noch besser gerecht werden können. Für den Herausgeber gilt es also, mit der zweiten Auflage unbedingt die gelegentlich erkennbaren Schwächen zusammen mit den entsprechenden Fachleuten zu beseitigen.

Zudem fällt auf, dass einige ‚gewichtige‘ Stichwörter in für manchen Leser zu kurzer Form angeschnitten werden und sich gerade noch auf das Wesentliche konzentrieren. Es ist für die interessierte Leserschaft mit Sicherheit hilfreicher, wenn die äußerst aktive und aktivierende Schulsozialarbeit auch entsprechend dargestellt wird. Die Beiträge wären dann besser nachvollziehbar und noch informativer.

Das „Lexikon der Schulsozialarbeit“ ist insgesamt gesehen gelungen und eine sehr gute Hilfe, quasi eine Landkarte, sich in dem schwierigen Terrain von Schule und Jugendhilfe zu orientieren und zurechtzufinden. Mit vielen unterschiedlichen „Best-Practice-Beispielen“ bietet diese umfassende Publikation eine qualitätssichernde Möglichkeit, bei auftretenden theoretischen oder praktischen Fragen Antworten zu finden sowie adäquate Handlungsoptionen zu entwickeln. Die zahlreichen Informationen aus Wissenschaft und beruflicher Praxis bereichern das vorliegende, äußerst umfangreiche Nachschlagewerk. Es ermöglicht passgenaue Entscheidungs- und Handlungsoptionen in Theorie und Praxis. Bestehende Brücken zwischen verschiedenen Systemen werden aufgezeigt, neue werden geschlagen, wo sie denkbar, möglich oder nötig sind.

Ob man gezielt nach einem bestimmten Begriff sucht, oder einfach „nur so“ in diesem Lexikon der Schulsozialarbeit blättert, man erhält kompetent Auskunft und wird bespiellos fachlich informiert und inspiriert.

Das „Lexikon der Schulsozialarbeit“ ist ein Muss für jeden, der im Kontext von Schule und Jugendhilfe tätig ist.

Wolfgang Habberger (Rezensent)

Der Rezensent (Jahrgang 1967) ist Sozialpädagoge. Er ist seit Januar 2000 Mitglied der Gewerkschaft und Erziehungswissenschaft und wirkt seit zwanzig Jahren hauptberuflich in der Schulsozialarbeit. Darüber hinaus engagiert er sich in unterschiedlichen gewerkschaftlichen Bereichen und Ebenen der Schulsozialarbeit in Bayern.

Rezension: „Selbstkritische Position und kritische Reflexion“ – Festschrift für Werner Baur liefert starke Argumente für kirchliches Bildungshandeln

 

Carmen Rivuzumwami (Hg.) (o. J. [2018]): Gemeinsam: Leben Glauben Bilden. Festschrift für Werner Baur zum Eintritt in den Ruhestand, o. O. (Stuttgart): Evangelischer Oberkirchenrat, 225 Seiten.

 

Zwanzig Jahre war Werner Bauer im Stuttgarter Oberkirchenrat für den Bereich Bildung der württembergischen Landeskirche zuständig. Wer den engagierten Lehrer und Schulleiter auf Tagungen oder Sitzungen erlebt hat, konnte spüren, dass Baur auch in kirchenleitender und administrativer Funktion stets ein Pädagoge mit Herzblut geblieben ist. Zu seinem Eintritt in den Ruhestand ist eine Festschrift im Eigenverlag des Evangelischen Oberkirchenrates in Stuttgart erschienen.

Der Band deckt die gesamte Bandbreite des landeskirchlichen Engagements im Bildungsbereich ab: von Kindertageseinrichtungen und Schulen über die Jugendarbeit bis zur Berufs- und Erwachsenenbildung. Die Autoren kommen aus beiden Landeskirchen Baden-Württembergs, aber auch aus der ökumenischen Nachbarschaft des Bistums Rottenburg-Stuttgart oder des Erzbistums Freiburg. Angesichts der Bandbreite der Themen kann hier nur eine kleine Auswahl der nahezu durchweg pädagogisch sehr engagiert geschriebenen Beiträge hervorgehoben werden.

Den Aufschlag macht ein sehr persönlich gehaltener Beitrag von Martin Schleske, Geigenbaumeister und Schalltechniker. Im Rückgriff auf seine eigene Bildungsbiographie beschreibt er sehr lebendig, anrührend und engagiert, wie wichtig das persönliche Vorbild, die fachliche Begeisterung des Lehrers und die Beziehung in der pädagogische Arbeit sind. Wir sollten das nicht vergessen in Zeiten wie diesen – und es sind die unsrigen –, in denen mal wieder technische Lösung das – in diesem Fall – digitale Heil ins Tal der Bildung bringen sollen.

Norbert Collmar, Rektor der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, zeichnet am Beispiel des protestantischen Württembergs nach, wie sich aus sozialen und diakonischen Initiativen des neunzehnten Jahrhunderts das bildungspolitische Engagement der Kirche im berufsbildenden Bereich entwickelt hat. Als Beispiel verweist er etwa auf die Gründung der Großheppacher Schwesternschaft durch Wilhelmine Canz. Sie sammelte junge Frauen um sich, die als Kleinkindpflegerinnen ausgebildet wurden. Dieses Engagement setzt sich bis heute fort, in Gestalt einer Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik.

Christoph Schneider-Harpprecht, Baurs Kollege aus dem badischen Oberkirchenrat in Karlsruhe, fragt, wozu ein eigener kirchlicher Bildungsgesamtplan sinnvoll ist. Gegen Kritik an diesem Instrument nennt er fünf Aufgaben, die ein solcher Plan erfüllen kann: Er kann helfen, die Bildungslandschaft kirchlicher Träger weiterzuentwickeln, den Auftrag und die konstitutiven Merkmale evangelischer Bildungsangebote profilieren helfen, ein möglichst realistisches Bild der zu erreichenden Zielgruppen zeichnen, Chancen und Empfehlungen an die zuständigen Gremien einer „Wenn der politische Wille vorhanden ist, so können jährlich oder im zweijährigen Rhythmus Zahlen, Daten und Fakten in standardisierter Form zusammengetragen und auch für die Haushaltsberatungen der Landessynode fruchtbar gemacht werden“ (S. 89).

Eckhard Geier, scheidender Geschäftsführer des Evangelischen Schulwerks Baden und Württemberg, unternimmt einen Parforceritt durch fünfhundert Jahre evangelische Schul- und Bildungsgeschichte. Instruktiv beleuchtet er das spannungsreiche Verhältnis zwischen Staat und Kirche im Bildungsbereich. Evangelische Schulen sind für Geier zum einen „zeitlos zeitgemäß“, weil sie zu allen Zeiten genuin evangelisch-christliche Antworten auf die pädagogischen und sozialen Herausforderungen ihrer jeweiligen Zeit formulierten. Sie sind aber zugleich immer auch „unzeitgemäß“, insofern sie nicht einfach dem bildungspolitischen Mainstream, sondern pädagogische Reformen „gegen den Trend“ ins Werk setzten. Diesen Freiraum von Schulen in kirchlicher Trägerschaft gilt es aber zunehmend gegen eine staatliche Dienst- und Fachaufsicht zu verteidigen, die freie Träger auch in didaktisch-methodischer Hinsicht immer stärker zur Vergleichbarkeit mit staatlichen Schulen drängt.

Bemerkenswert ist schließlich noch der Schlussbeitrag des Bandes: Stefan Hermann, Direktor des Pädagogisch-Theologischen Zentrums der Landeskirche in Stuttgart-Birkach, hält ein engagiertes Plädoyer für einen weiterhin starken konfessionell geprägten Religionsunterricht, gut begründet, wenn auch im vorstehenden Sinne „unzeitgemäß“, insofern der Hauptstrom der zeitgenössischen Religionspädagogik deutlich in Richtung konfessioneller Kooperation fließt. Identitätsfragen stehen gegenwärtig weder in der pädagogischen noch politischen Debatte hoch im Kurs. Viele erhoffen sich durch eine stärkere Kooperation der Konfessionen beim Religionsunterricht eine Stärkung der christlichen Orientierung innerhalb einer zunehmend heterogener wie säkularer werdenden Schüler- und Elternschaft. Doch besteht die Gefahr, dass durch eine konfessionell-diffuse Lernumwelt die eigene religiöse Identitätsbildung eher erschwert als erleichtert wird – am Ende kennen die Schüler weder ihre eigene Herkunft noch die Konfession der anderen. Für Hermann gehören „perspektivische Positionalität“ und die Aufgabe „positioneller Perspektivität“ im Religionsunterricht eng zusammen. Wer sich der eigenen Konfession sicher ist, erfährt die Position der anderen nicht als Bedrohung. Daher kann gerade ein konfessioneller Religionsunterricht für Hermann zur Pluralitätsfähigkeit und zu starker Toleranz beitragen. Denn über Religion kann nicht distanziert gelehrt oder gelernt werden. Der Stuttgarter Religionspädagoge spricht in diesem Fall von Begegnungslernen, bei dem unweigerlich immer verschiedene Ebenen ineinander fließen und sich wechselseitig bedingen. Es kann keine neutrale Haltung gegenüber Religion geben, selbst eine religionsabstinente Haltung wäre eine Positionierung gegenüber Religion – und so ist Begegnungslernen über Religion immer auch bereits Begegnungslernen in Religion und durch Religion. Wichtig bleibt aber, dass Lehrkräfte bereit sind, zwischen religiöser Reden und Reden über Religion zu unterscheiden.

Wer freie Menschen will, muss auch für ein starkes freies Schulwesen und eine plurale Bildungslandschaft eintreten. Ein Staat, der für sich ein Bildungsmonopol beanspruchen wollte, wäre übergriffig auf den innersten Personkern. Und wenn Religion nicht zu etwas Bedrohlich-Fremden werden soll, gehört Religion in die Schulen und Bildungseinrichtungen. Hermanns Plädoyer am Ende seines Beitrags setzt einen starken Schlusspunkt für die gesamte Festschrift und ein deutliches Ausrufezeichen hinter das bildungspolitische Engagement des zu Ehrenden: „Gebildete Religion braucht selbstkritische Position und kritische Reflexion, zugleich aber auch das Bewusstsein eigener Perspektivität und Bruchstückhaftigkeit – wichtige Werte aufgeklärter Bildung, wie sie evangelischer Bildungstradition zugrunde liegen“ (S. 210).

 

Rezension: Zerreißprobe Flüchtlingsintegration

Die Migrations- und Integrationspolitik spaltet weiterhin das Land und erweist sich – wie ein Buchtitel der Münsteraner Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins im vergangenen Jahr deutlich gemacht hat – für Deutschland als „Zerreißprobe“:

https://bildungsethik.wordpress.com/2017/01/22/nur-ein-narrativ-ein-sozialethischer-zwischenruf-zur-aktuellen-integrationsdebatte/

Der Band aus der Reihe „Theologie kontrovers“ ist jetzt in der Theologischen Literaturzeitung durch den Hannoveraner Diakoniewissenschaftler und Systematischen Theologen Alexander Dietz kritisch gewürdigt worden (Jg. 2018, Nr. 5, Sp. 537 f.):

http://www.thlz.com/artikel/20180/?inhalt=heft%3D2018_5%23r51

„Nachdem Marianne Heimbach-Steins, Professorin für Christliche Sozialwissenschaften und Sozialethische Genderforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, bereits vor einem Jahr einen Sammelband mit sozialethischen Positionen zur Flüchtlingskrise vorgelegt hatte, legt sie nun mit dem vorliegenden Band zum Thema Flüchtlingsintegration nach. Das Werk umfasst fünfzehn Beiträge ausschließlich katholischer Theologinnen und Theologen (und einer Gewerkschaftsvertreterin). Im Vergleich zum ersten Band ist leider nicht nur die konfessionelle Zusammensetzung der Autoren begrenzter, sondern auch die positionelle Heterogenität. Nur einer der Beiträge ( Axel Bernd Kunze) vertritt eine dezidiert konservative Position, alle anderen Aufsätze sind aus einer erkennbar links-liberalen Perspektive verfasst. […]“ (Alexander Dietz)

Rezension: Wiener Sozialethiker Körtner ruft zur Vernunft auf

Körtners Argumentationsgang, sachlich vorgetragen, ist grundsätzlicher Natur. Tagespolitische Kontroversen stehen erkennbar im Hintergrund, werden aber nicht im Einzelnen diskutiert. Hierfür gibt es andere Orte der politik- und staatsethischen Debatte. Auch gegnerische Positionen aus der eigenen Disziplin werden selten explizit genannt. Man kann aber zwischen den Zeilen lesen, an welche sozialethischen Aussagen aus jüngerer Zeit, nicht zuletzt im Rahmen der Migrations- und Integrationskrise, der Verfasser beim Schreiben derselben gedacht haben mag.

… so der Sozialethiker Axel Bernd Kunze in einer Rezension in der aktuellen Ausgabe 2/2018 der Zeitschrift AMOSinternational (Thema: Terrorismus und Terrorismusbekämpfung) über das Buch „Für die Vernunft. Wider Moralisierung und Emotionalisierung in Politik und Kirche“ des Wiener Sozialethikers Ulrich H. J. Körtner (Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2017, 172 Seiten).

Die Besprechung finden Sie hier.

http://www.amosinternational.de/