Dokumentation: Mediale Stimmen zur „Erklärung“ deutschsprachiger Sozialethiker gegen „Die Neue Ordnung“

Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik: Erklärung der Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik zu der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ [14.03.2019], in: http://www.christliche-sozialethik.de/?p=371.

Peter J. Brenner, Josef Kraus: Höcke und wir. Eine Grenzziehung, in: Tumult. Vierteljahresschrift für Konsensstörung v. Sommer 2019, S. 36 f.

Jan Dochhorn: Against academic censorship [Academia], in: https://www.academia.edu/38670544/Against_academic_censorship

Jan Dochhorn; Kommentar [Forum Sozialethik], in: https://forum-sozialethik.de/2019/03/19/sozialethikerinnen-boykottieren-rechte-zeitschrift/ [28.03.2019].

Alexander Filipovic: Haltung gegen eine gefährliche Ideologie, in: GKP-Informationen. Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands v. Mai 2019, S. 7.

Forum Sozialethik: Sozialethiker*innen boykottieren rechte Zeitschrift, in: https://forum-sozialethik.de/2019/03/19/sozialethikerinnen-boykottieren-rechte-zeitschrift/ [19.03.2019].

Forum Sozialethik: Anmerkung der Redaktion, in: https://forum-sozialethik.de/2019/03/19/sozialethikerinnen-boykottieren-rechte-zeitschrift/ [08.05.2019].

Joachim Frank: Neues aus dem Vorstand, in: GKP-Informationen. Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands v. April 2019, S. 2.

Joachim Frank: Neues aus dem Vorstand, in: GKP-Informationen. Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands v. Juni 2019, S. 2.

Marianne Heimbach-Steins: Mediale Reaktionen auf die Erklärung der Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik zu der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ (Stand Anfang April 2019); Kommentar der Sprecherin, in: http://www.christliche-sozialethik.de/wp-content/uploads/2019/04/Mediale-Reaktionen-auf-die-Erkl%C3%A4rung-2019-04-07-1.pdf.

Marianne Heimbach-Steins: Die Erklärung der AG CSE zur Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ – Reaktionen, in: Neues aus der AG CSE v. 8. April 2019.

Marianne Heimbach-Steins: Neues aus der AG CSE v. 13. Juni 2019.

Michael Hollenbach: Neue Ordnung, rechte Ordnung? [Deutschlandfunk], in: https://www.deutschlandfunk.de/debatte-um-christliches-magazin-neue-ordnung-rechte-ordnung.886.de.html?dram:article_id=444627

Institut für Christliche Sozialwissenschaften: Erklärung der Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik zu der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“, in: https://www.uni-muenster.de/FB2/aktuelles/ics/AgCSEdieneueOrdnung.html [19.03.2019].

Karl-Josef Kallen: Erzieherische Anmaßung [Leserbrief], in: Die Tagespost v. 4. April 2019, S. 32.

Kath.net. Katholische Nachrichten: „Hier greift der Gesinnungsfuror einer neuen Inquisition um sich“, in: http://www.kath.net/news/67576 [09.04.2019].

Josef Kraus: Katholische „Sozialethiker“ entdecken die Inquisition neu, in: Tichys Einblick v. 7. April 2019; online: https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/josef-kraus-lernen-und-bildung/katholische-sozialethiker-entdecken-die-inquisition-neu/.

Axel Bernd Kunze: Es geht um die Freiheit, in: GKP-Informationen. Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands v. Mai 2019, S. 6.

Axel Bernd Kunze: Schlaglicht: Boykottaufruf gegen „Die Neue Ordnung“, in: https://bildungsethik.wordpress.com/2019/03/17/schlaglicht-boykottaufruf-gegen-die-neue-ordnung/ [17.03.2019].

Axel Bernd Kunze: Schlaglicht: Hauptsache inklusiv – aber nicht freiheitlich https://bildungsethik.wordpress.com/2019/03/19/schlaglicht-hauptsache-inklusiv-aber-nicht-freiheitlich/ [19.03.2019].

Axel Bernd Kunze: Zwei Kommentarstimmen zum Boykottaufruf gegen „Die Neue Ordnung“, in: https://bildungsethik.wordpress.com/2019/03/31/zwei-kommentarstimmen-zum-boykottaufruf-gegen-die-neue-ordnung/ [31.03.2019].

Axel Bernd Kunze: Diskussion um die Erklärung der AG Christliche Sozialethik geht weiter, in: https://bildungsethik.wordpress.com/2019/03/31/diskussion-um-die-erklaerung-der-ag-christliche-sozialethik-geht-weiter/ [31.03.2019].

Axel Bernd Kunze: Boykottaufruf gegen „Die Neue Ordnung“ löst weiterhin Widerspruch aus, in: https://bildungsethik.wordpress.com/2019/04/05/boykottaufruf-gegen-die-neue-ordnung-loest-weiterhin-widerspruch-aus/ [05.04.2019].

Axel Bernd Kunze: Schlaglicht: Es geht um die Freiheit – Gedanken (nicht allein) zum Jubiläumsjahr der Karlsbader Beschlüsse, in: https://bildungsethik.wordpress.com/2019/04/08/schlaglicht-es-geht-um-die-freiheit-gedanken-nicht-allein-zum-jubilaeumsjahr-der-karlsbader-beschluesse/ [08.04.2019].

Axel Bernd Kunze: Veröffentlichung: Josef Kraus verteidigt „Die Neue Ordnung“, in: https://bildungsethik.wordpress.com/2019/04/10/veroeffentlichung-josef-kraus-verteidigt-die-neue-ordnung/ [10.04.2019].

Axel Bernd Kunze: Antwort auf den Boykottauruf gegen die Zeitschrift „Die Neue Ordnung“, in:  https://bildungsethik.wordpress.com/2019/06/13/antwort-auf-den-boykottaufruf-gegen-die-zeitschrift-die-neue-ordnung/ [13.06.2019].

Jürgen Liminski: Auf Kosten der Redlichkeit, in: Junge Freiheit v. 5. April 2019; online: Deutschlandjournal, http://www.swg-hamburg.de/Archiv_-_Beitrage_aus_allen_Ru/Auf_Kosten_der_Redlichkeit.pdf.

Philipp M. Laufenberg: Maulkorb statt Argument [Leserbrief], in: Die Tagespost v. 4. April 2019, S. 32.

Maximilian Lutz: Josef Kraus verteidigt Ockenfels-Zeitschrift „Neue Ordnung“, in: Die Tagespost v. 11. April 2019; online: https://www.die-tagespost.de/politik/Josef-Kraus-verteidigt-Ockenfels-Zeitschrift-Neue-Ordnung;art4685,197219.

Oswald von Nell-Breuning Institut: Sozialethiker*innen distanzieren sich von der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“, in: https://nbi.sankt-georgen.de/blog/2019/sozialethiker-innen-rufen-zum-boykott-der-zeitschrift-die-neue-ordnung-auf [15.03.2019].

Oswald von Nell-Breuning Institut: Neue Ordnung, rechte Ordnung? Debatte um eine extrem rechte Zeitschrift im kirchlichen Milieu, in: https://nbi.sankt-georgen.de/blog/2019/neue-ordnung-rechte-ordnung-debatte-um-eine-extrem-rechte-zeitschrift-im-kirchlichen-milieu [27.03.2019].

Pax et bonum: Gesinnungstest – durchgefallen, in: http://paxetbonum.de/index.php/2019/03/29/gesinnungstest-durchgefallen/.

Philip Plickert: Unsäglicher Angriff [Leserbrief], in: Die Tagespost v. 11. April 2019, S. 32.

Heinrich Pompey: Erinnert an die Zeit vor 75 Jahren [Leserbrief], in: Die Tagespost v. 4. April 2019, S. 32.

Lothar Roos: Zur Erklärung der AG Christliche Sozialethik zu der Zeitschrift Die Neue Ordnung vom 14.03.2019 [24.03.2019].

Lothar Roos: Doumentation [AG CSE ./. Die Neue Ordnung].

Lothar Roos, Stephan Raabe: Substanzieller Dialog statt Stigmatisierung und Ausgrenzung. Eine Antwort auf den Boykott-Aufruf gegen die katholische Zeitschrift „Die Neue Ordnung“, in: Die Tagespost – Onlineausgabe: https://www.die-tagespost.de/feuilleton/online/Substanzieller-Dialog-statt-Stigmatisierung-und-Ausgrenzung;art4690,198850 [12. Juni 2019].

[Lothar Roos, Stephan Raabe:] Substanzieller Dialog statt Stigmatisierung. Empörung über Populismus genügt nicht, Gründe müssen genannt werden. Ein offener Brief zur Verteidigung der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“, in: Die Tagespost  v. 13. Juni 2019, S. 27 [Liste der Unterzeichner online unter http://www.die-tagespost.de]; online: https://www.die-tagespost.de/feuilleton/Substanzieller-Dialog-statt-Stigmatisierung;art310,198870.

[Lothar Roos, Stephan Raabe]: Substanzieller Dialog statt Stigmatisierung und Ausgrenzung [Einführung/Zusammenfassung; 12.06.2019].

[Lothar Roos, Stephan Raabe]: Antwort auf den Boykottaufruf gegen die Zeitschrift “Die Neue Ordnung”, in: https://bildungsethik.wordpress.com/2019/06/13/antwort-auf-den-boykottaufruf-gegen-die-zeitschrift-die-neue-ordnung/ [13.06.2019].

Sebastian Sasse: Auf der schwarzen Liste, in: Die Tagespost v. 27.03.2019, S. 28; online: https://www.die-tagespost.de/politik/wi/Neue-Ordnung-Auf-der-schwarzen-Liste;art314,196893.

Sebastian Sasse: Maulkorb statt Argument [Kommentar], in: Die Tagespost v. 27.03.2019, S. 8; online:

https://www.die-tagespost.de/politik/pl/Kommentar-Maulkorb-statt-Argument;art315,196843.

Josef W. Schnepper: Wissenschaft lebt vom Diskurs [Leserbrief], in: Die Tagespost v. 11. April 2019, S. 32.

Peter Winnemöller: Die Debatte ist tot – es lebe die Debatte!, in: Die Tagespost, online: https://www.die-tagespost.de/meinungsmacher/Die-Debatte-ist-tot-es-lebe-die-Debatte;art36,198952.

(Stand: 15. Juni 2019; ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

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Antwort auf den Boykottaufruf gegen die Zeitschrift „Die Neue Ordnung“

Substanzieller Dialog statt Stigmatisierung und Ausgrenzung
Eine Antwort auf den Boykott-Aufruf gegen die katholische Zeitschrift „Die Neue Ordnung“
Über sechzig Autoren, Wissenschaftler, Publizisten, Freunde der katholischen Zeitschrift für Religion, Kultur und Gesellschaft: „Die Neue Ordnung“ wenden sich in einer Antwort gegen den Boykott-Aufruf der „Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik“, der die Zeitschrift mit dem politischen Kampfbegriff des „Rechtspopulismus“ als Forum des Diskurses in weiten Bereichen auszuschalten trachtet.
Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Kardinäle Erzbischof Dr. Paul Josef Cordes und Prof. Walter Brandmüller, der langjährige Direktor der Katholisch-Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach Prof. Anton Rauscher SJ, der Bonner Soziallehrer Prälat Prof. Lothar Roos, die Religionsphilosophin Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, der Dogmatiker Prof. Karl-Heinz Menke, der Moraltheologe Prof. Johannes Reiter, der Caritaswissenschaftler Prof. Heinrich Pompeÿ, der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Alfred Schüller, der Kommunikationswissenschaftler Prof. Hans Mathias Kepplinger und der Politologe Prof. Werner Patzelt.
Den Boykott-Aufruf halten die Unterzeichner für „Kirche, Wissenschaft und Demokratie für unangemessen und problematisch“. Mit ihrer Antwort wehren sie sich gegen die politisch-moralische Stigmatisierung der Neuen Ordnung, verteidigen die Freiheit der Meinungsäußerung und des Publizierens und treten für einen substanziellen Dialog ein. Wer dagegen unbegründet Anschuldigungen erhebe und zum Boykott aufrufe, betreibe „keinen seriösen Fachdiskurs und keine konstruktive Diskussion“. Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Sozialethiker delegitimiere sich vielmehr in dem Maße selbst, „in dem sie Vernunft durch Gesinnung, Begründung durch Behauptung, intellektuelle Auseinandersetzung durch Boykott ersetzt.“

(Lothar Roos, Stephan Raabe)

Die Erstveröffentlichung der Stellungnahme erfolgte am 12. Juni 2019 in der Onlineausgabe der Wochenzeitschrift „Die Tagespost“.

Der Offene Brief ist in der Druckausgabe der „Tagespost“ vom 13. Juni 2019 (S. 27) erschienen.

Rezension: „Turbulenter Aufbruch“

„Die politischen Umbrüche und sozialen Bewegungen jener Zeit werden mitunter allzu gerafft und holzschnittartig dargestellt. Dennoch: Lebendig und flüssig schildert Neuner, welche zentralen Richtungsentscheidungen in den  unmittelbaren Folgejahren des Konzils getroffen wurden. Spannend zu lesen  vor allem von jenen, welche die damaligen Umbrüche nicht selbst miterlebt haben.“

– … so Axel Bernd Kunze in der Frühjahrsbeilage „Bücher der Gegenwart“ der Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ (71. Jg., Nr. 21/2019, S. 229) über den Band Peter Neuner: Turbulenter Aufbruch. Die 60er Jahre zwischen Konzil und konservativer Wende, Freiburg i. Brsg.: Herder 2019, 312 Seiten. Der Münchner Theologe stellt jene Kontroversen der Nachkonzilszeit dar, die bis heute nachwirken.

Neuerscheinung: Staat – Identität – Recht. Konfliktlinien in der aktuellen politikethischen Debatte

Am 16. Mai 2019 ist die zweite Ausgabe der Zeitschrift LIMINA – Grazer theologische Perspektiven erschienen. Das Themenheft trägt den Titel „Neue Nationalismen und die Vision der einen Menschheit“. Die Zeitschrift, deren Beiträge im „Double-blind Peer-Review“ entstanden sind, ist online frei zugänglich:

http://unipub.uni-graz.at/limina

Der Bonner Bildungsethiker Axel Bernd Kunze beschäftigt sich in seinem Beitrag mit den Themen Staat – Identität – Recht. Konfliktlinien in der aktuellen politikethischen Debatte (2. Jahrgang, Heft 1/2019, S. 83 – 108). Im Abstract heißt es:

Die Migrationskrise hat bestehende Konfliktlinien innerhalb der Sozialethik deutlich hervortreten lassen. Die sozialethische Reflexion konzentriert sich immer stärker auf die Gesellschaft. Staatsethische Fragestellungen verlieren an Bedeutung; tugendethische Begriffe werden in der neueren politischen Etik zunehmend als normethische Kategorien verwendet. Die Folgen dieser Perspektivveränderung zeigen sich in einem normativen Individualismus. Der Beitrag betont gegenüber diesen Entwicklungen innerhalb der sozialethischen Disziplin die notwendige Rechtsfunktion des Staates als Grundlage eines humanen, an den Menschenrechten orientierten Gemeinwesens; dabei werden sozialethische und rechtswissenschaftliche Perspektiven miteinander verbunden.

The migrant crisis has laid already existing divisions within social ethics open. Social ethics is more and more concerned with society while ethical issues of the state are overlooked. The new political ethics increasingly uses virtue -ethical terms as categories of normative ethics. The consequences of this change in perspective are a normative individualism. In light of these developments in social ethics, this article highlights the necessary legal function of the state as the basis for a human community with respect for human rights. Here, social ethical and legal standpoints and approaches are combinend to investigate this issue.

 

Veröffentlichung: Josef Kraus verteidigt „Die Neue Ordnung“

Sprachgewaltig und streitbar, wie man ihn kennt, hat sich Josef Kraus, ehemaliger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, in „Tichys Einblick“ zum Boykottaufruf der deutschsprachigen Sozialethiker gegen die Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ geäußert. Die Wochenzeitschrift „Die Tagespost“ greift seine Stellungnahme auf:

https://www.die-tagespost.de/politik/Josef-Kraus-verteidigt-Ockenfels-Zeitschrift-Neue-Ordnung;art4685,197219

Die aktuelle Kontroverse zeigt einmal mehr, wie sehr die gesellschaftliche Debatte in Deutschland gespalten ist. Das geistige Klima in unserem Land befindet sich in keiner guten Verfassung – aber dagegen gibt es keine „Klimademos“. Wenn ich die gegensätzlichen Reaktionen für und wider die „Erklärung“ verfolge, drängt sich mir der Eindruck auf, diese kommen zwar aus einem Land und dennoch aus zwei „Welten“ – aus Welten, die sich gesprächs- und verständnislos gegenüber stehen. Ein gemeinsames Freiheitsbewusstsein ist nicht mehr erkennbar.

 

Schlaglicht: Es geht um die Freiheit – Gedanken (nicht allein) zum Jubiläumsjahr der Karlsbader Beschlüsse

Mitte März veröffentlichte die Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik – unter dem euphemistischen Titel „Erklärung“ – einen Boykottaufruf gegen „Die Neue Ordnung“. Die traditionsreiche Zeitschrift wird vom Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg e. V. herausgegeben (und nicht, wie mitunter suggeriert wird, von den Dominikanern). Der Boykottaufruf hat deutliche Kritik hervorgerufen, wie beispielsweise im Deutschlandfunk und in der „Tagespost“ zu hören und zu lesen war – und das zu Recht.

Hier geht es nicht um eine einzelne Zeitschrift und deren aktuelle Ausrichtung, zu der man stehen mag, wie man will. Es geht um die Wissenschafts- und Publikationsfreiheit in unserem Land. Und es geht um die Frage, ob ein (angst-)freier, offener und plural geführter Diskurs in der Kirche noch eine Chance hat. Im Raum steht die Frage, ob wir bereit sind, für zentrale Prinzipien unseres liberalen Rechts- und Verfassungsstaates und die Grundkoordinaten einer freiheitlichen Gesellschaft zu kämpfen. Diese Prinzipien schließen auch einen robusten Minderheitenschutz für publizistische Positionen außerhalb des gesellschaftlichen Mainstreams ein.

Die Publikationsfreiheit ist nicht grenzenlos. Aber diese Grenzen werden im Rechtsstaat durch das Presse- und Strafrecht gezogen und müssen gerichtlich kontrollierbar bleiben. Ansonsten bleibt in Wissenschaft wie Publizistik der streitbare, mitunter hart geführte Kampf um das bessere Argument das legitime Mittel der Auseinandersetzung. Und dieser argumentative Streit kann auch gegen Positionen geführt werden, die in der „Neuen Ordnung“ vertreten werden.

Doch genau diese Auseinandersetzung scheuen die Urheber der „Erklärung“. Freiheit ist kein fester Besitz, um sie muss immer wieder neu gerungen werden. Daran sollten wir im Jubiläumsjahr der Karlsbader Beschlüsse einmal mehr denken. Die Freiheit ist heute allerdings nicht allein durch staatliche Eingriffe bedroht. Wo Wissenschaftler und Publizisten selbst die Verfolgung des heterodoxen Geistes in ihren eigenen Reihen organisieren, droht eine vollkommene Ächtung missliebiger Personen. Noch schlimmer als die Verfolgung der Presse kann sich eine Verfolgung durch die Presse erweisen. Wer sich sonst zu Recht gegen Einmischungen der Kirchenleitungen in die Wissenschafts- und Publikationsfreiheit wehrt, sollte genauso hellhörig sein, wenn inquisitorische Mittel aus den eigenen Reihen gegen missliebige Kollegen eingesetzt werden.

Die Kontroverse um die „Neue Ordnung“ zeigt einmal mehr, wie sehr die gesellschaftliche Debatte in Deutschland gespalten ist. Das geistige Klima in unserem Land befindet sich in keiner guten Verfassung. Der geistige Grundkonsens unserer Nachkriegsdemokratie, den die „Neue Ordnung“ geholfen hat mit zu gründen, schwindet. Ein gemeinsames Freiheitsbewusstsein ist immer weniger erkennbar. Den notwendigen Grundkonsens, auf den unsere freiheitliche Staats- und Gesellschaftsordnung angewiesen bleibt, wieder zu stärken, wird aber nicht mit einem „Totalitarismus der Mitte“, wie mir ein befreundeter Publizist dieser Tage schrieb, gelingen. Wissenschafts- oder Publizistenverbände, die dazu schweigen oder – schlimmer noch – damit sogar sympathisieren wollten, wenn dazu aufgerufen wird, Kollegen mundtot zu machen, die Publikationsfreiheit außer Kraft zu setzen und Bibliotheken zu säubern, hätten auf ganzer Linie intellektuell wie moralisch versagt.

Boykottaufruf gegen „Die Neue Ordnung“ löst weiterhin Widerspruch aus

Der Boykottaufruf der sozialethischen Lehrstuhlinhaber im deutschsprachigen Raum gegen die vom Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg herausgegebenen Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ löst weiterhin deutlichen Widerspruch aus. Kritisch kommentiert hatte disesen Boykottaufruf u. a. die katholische Wochenzeitschrift „Die Tagespost“ in ihrer Ausgabe vom 28. März 2019. Eine Woche später folgen die Leserkommentare – und die fallen eindeutig aus, wie schon die Überschriften belegen: Maulkorb statt Argument; Erinnert an die Zeit vor 75 Jahren; Erzieherische Anmaßung.

Jürgen Liminski, der u. a. für den Deutschlandfunk gearbeitet hat, wird in der „Jungen Freiheit“ vom 5. April 2019 gleichfalls deutlich: „Dieser Aufruf offenbart ein Denken, das man eher in Nordkorea oder Saudi-Arabien verorten würde.“ Liminski zitiert den früheren Osnabrücker Sozialethiker Martin Spieker mit den Worten: „Ich hätte nicht gedacht, daß sich die AG Christliche Sozialethik auf dieses Niveau begibt. […] das riecht schon sehr nach Bücherverbrennung.“ Der Boykottaufruf zeigt für Liminski, wie es um die wissenschaftliche Debatte im gesellschaftlich gespaltenen Deutschland bestellt ist: „Es wäre eigentlich die Aufgabe der Intelligenzija eines Landes, solche irrationalen Prozesse zu dämpfen und zu versachlichen. Das geschieht in der Zunft der christlichen Sozialethiker offenbar nicht (mehr).“ Der Chefredakteur der „Neuen Ordnung“, P. Wolfgang Ockenfels OP, wolle sich, wie es im Beitrag heißt, vorerst nicht äußern. Liminski liest sein neues Editorial in der aktuellen Ausgabe der „Neuen Ordnung“, das sich mit dem Fall Relotius beim Hamburger Magazin „Spiegel“ beschäftigt, allerdings als ein indirektes Statement – Ockenfels schreibt: „Es ist die sozialpsychologisch interessante Verbindung von deutscher Sentimentalität und Brutalität. Das passende Format dazu liefert die quasireligiöse Inbrunst, mit der sachliche Fragen wie Immigration und Klimawandel in den Status von Glaubensentscheidungen erhoben werden. Wer in solchen, empirisch falsifizierbaren und revidierbaren Fragen es sich frecherweise erlaubt, anderer begründbarer Auffassung zu sein, riskiert den Ausschluss aus einer religiös-politischen und auch wissenschaftlichen Kommunität.“ Liminskis Fazit lautet am Ende: „Man will die alte Ordnung der linksliberalen Gesellschaft bewahren und koste es die christliche Wahrheit.“ Und – so bleibt anzufügen: die Freiheit.

Vor diesem Hintergrund erhält der Appell des Papstes auf seiner Marokkoreise, den die F.A.Z. am 1. April 2019 zitiert, eine ganz neue Bedeutung. Der sozialethisch fragwürdige UN-MIgrationspakt wirft seine Schatten. „Die Länder, die Flüchtlinge aufnähmen,“ – so zitiert die F.A.Z. den Papst – „würden durch deren Beitrag bereichert, sofern dort ‚jede Art vo Diskriminierung und jedes fremdenfeindliche Geühl‘ verhindert werden.“ Dies eröffnet ein breites Feld für Einschränkungen der Presse-, Publikations- und Meinungsfreiheit. Ein Staat, der die Gefühle seiner Bürger administrativ-polizeilich steuert, um kritische Gedanken unterdrücken zu wollen, ist auf Dauer kein Ort der Freiheit mehr. Gerade im „Jubiläumsjahr“ der Karlsbader Beschlüsse sollte dies zu denken geben …