Online verfügbar: Beiträge zur Didaktik der Elementarbildung

Die Hefte der Publikationsreihe „Gruß aus der Großheppacher Schwesternschaft“ (gleichzeitig als „Kind und Schwester“ erschienen) stehen kostenlos als Download zur Verfügung. Darin finden sich folgende Beiträge zur Didaktik der Elementarbildung:

Axel Bernd Kunze: Braucht Religion Bildung? Braucht Bildung Religion?, in: Ausgabe 123.

http://www.grossheppacher-schwesternschaft.de/assets/files/publikationen/Gruss/131114_gruss_2013_ds_web.pdf

Axel Bernd Kunze:  Eine Vorschule des Glaubens. Zur Bedeutung gemeinschaftlicher Rituale im Schulalltag, in: Ausgabe: 125.

http://www.grossheppacher-schwesternschaft.de/assets/files/publikationen/Gruss/161108-ghs-gruss-2016-2017-inhalt.pdf

Axel Bernd Kunze: Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen wird 30 Jahre alt, in: Ausgabe: 2018/19.

http://www.grossheppacher-schwesternschaft.de/assets/files/publikationen/Gruss/181204-ghs-gruss-2018-2019-ds.pdf

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Kolumne: Wie politisch ist Diakonie?

Wie politisch ist Diakonie? Verbände und Träger im Sozialbereich wollen nicht abseits stehen.

… mit dieser Frage beschäftigt sich eine Kolumne in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 11. Januar 2019:

https://www.die-tagespost.de/politik/wi/Kolumne-Wie-politisch-ist-Diakonie;art314,194814

Der Verfasser, Axel Bernd Kunze, ist Sozialethiker und Pädagogik. Er arbeitet als Schulleiter. Ferner lehrt er in der Lehrerbildung an der Universität Bonn sowie als Lehrbeauftragter in der Sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik.

Wöchentlich schreiben führende deutschsprachige Sozialethiker für die sozialethische Kolumne, die – in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach – in der katholischen Wochenzeitschrift aus Würzburg erscheint. Kommentiert werden aktuelle Entwicklungen unserer Wirtschafts- und Sozialordnung. Seit Jahresbeginn findet sich die Kolumne an fester Stelle auf der Seite für Wirtschaft und Soziales.

Neuerscheinung: Eine Frage der Haltung … Pädagogische Menschenbilder

Eine Frage der Haltung … Pädagogische Menschenbilder ist der Titel des neuen Themenhefts der Zeitschrift engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule (Münster/Westf.: Aschendorff, 36. Jg., H. 4/2018, verantwortlicher Herausgeber: PD Dr. Axel Bernd Kunze, Bonn/Weinstadt).

ZUM GEDANKENGANG UND ZUM INHALT DES HEFTES:

„Die Menschenwürdegarantie, nach der jeder Mensch stets auch als Selbstzweck zu achten ist und niemals für Zwecke Dritter instrumentalisiert werden darf, kann, pädagogisch gewendet, so verstanden werden, dass der Einzelne jederzeit als Quell freier Selbsttätigkeit zu achten ist. Umgekehrt kann das in der Menschenwürdeidee sich ausdrückende Vermögen des Menschen zum Vernunft-, Sprach- und Freiheitsgebrauch ohne Bildung nicht zur Entfaltung kommen.

Die Geschichte lehrt, dass der Anspruch auf Bildung und Beteiligung zahlreichen Gefährdungen ausgesetzt ist. Eine Antwort auf diese Gefährdungen stellt das Recht auf Bildung dar. Es sichert dem Einzelnen jenen pädagogischen Freiraum, der es ihm erlaubt, selbstbestimmt zu handeln, zu urteilen und zu entscheiden. Als soziales Freiheitsrecht garantiert es zugleich jene rechtlichen und strukturellen Voraussetzungen, die für die reale Beteiligung am sozialen Leben unverzichtbar sind. Das Recht auf Bildung zu sichern, ist wichtiges Element einer funktionierenden Demokratie. Dabei geht es nicht allein um die Bewältigung funktionaler Herausforderungen, sondern um die Fähigkeit zur eigenständigen Urteilsbildung. Die pluralistische Willensbildung ist nicht nur ein Ziel der verschiedenen schulischen wie außerschulischen Bildungsangebote, sondern notwendiges Grundprinzip des Bildungssystems einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft.

Die Schule soll ihre Schüler auf das Leben in der modernen Gesellschaft vorbereiten – und ist zugleich ein Teil dieser Gesellschaft. Ethische Fragen gehören somit untrennbar zum Nachdenken über Schule dazu. Dabei handelt es sich bei bildungsbezogenen ethischen Problemen nicht um etwas, das sich ein für alle Mal lösen ließe – würde man nur das „richtige“ Schulsystem aufbauen, alle Schulen bestmöglich ausstatten und jedes Kind optimal fördern (wie immer man sich das dann auch konkret vorstellen wollte). Ethische Probleme können nicht durch pädagogisches Handeln beseitigt werden, aber die Gerechtigkeitsfrage ist gleichfalls auf das pädagogische Handeln hin auszulegen. Und dies bleibt eine beständige Aufgabe der Schule, die ihren Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Leben immer wieder neu reflektieren muss.

Schulreform als Aufgabe der modernen Schule ist dann aber auch etwas anderes als Schulstrukturreform. Die bestehende Schule wird dabei nicht von einer in der Zukunft imaginierten „Idealschule“ her in Frage gestellt, sondern einer beständigen, nicht abschließbaren Selbstrevision unterzogen.

Die Schulpädagogik hat dabei eine zweifache Aufgabe: Sie muss über Gerechtigkeit als Problem der Schule bildungstheoretisch reflektieren. Und sie muss danach fragen, wie ein bestimmter Umgang mit diesem Problem praktisch umsetzbar ist, welche Verbesserungen oder Erfolge, aber auch welche Gefahren oder Fehlschläge damit verbunden sein können – im Blick auf die Lernbedingungen und die Zukunftschancen der Lernenden genauso wie im Blick auf die professionelle Beanspruchbarkeit und Belastbarkeit der Lehrenden. Die bestimmende Perspektive im Umgang mit ethischen Fragen im Kontext von Schule wird dabei eine pädagogische bleiben müssen: ausgerichtet an einer durch Bildung substantiell bestimmten Lebensform. Dabei sollte die pädagogische Reflexion Anwalt einer Humanität sein, die sich im Prozess notwendiger Differenzierung und entlastender Arbeitsteilung gegen mögliche funktionale Verengungen zur Wehr setzt.

Lehrer tragen Verantwortung für die Schüler, aber auch gegenüber der Gesellschaft, die nicht unerhebliche Ressourcen für das Bildungssystem zur Verfügung stellt. Ferner bleibt es wichtig, Alltagsmeinungen, Hypothesen oder bildungspolitische Leitbilder, welche die Schuldebatte bestimmen, aus pädagogischer Perspektive zu prüfen, gegebenenfalls zu korrigieren und darauf aufbauend Handlungsleitlinien für wünschbare Veränderungen zu formulieren. Ein eigener schulpädagogischer Ethikkodex ermöglicht die kritische Reflexion vorgegebener Erwartungen, hilft aber auch, Distanz zu wahren gegenüber Zeitströmungen, modischen Trends oder Verengungen innerhalb des eigenen bildungswissenschaftlichen Diskurses.

Die dafür notwendigen berufsethischen Prinzipien müssen eigenständig hergeleitet und begründet werden, wobei zwischen unbedingten, universal geltenden Normen und interpretierenden Prinzipien zu unterscheiden bleibt. Berufsethik wird über das Menschen- und Gesellschaftsbild wie die Handlungstheorie, die im professionellen Tun vorausgesetzt werden, Rechenschaft ablegen müssen.

Berufsethische Prinzipien müssen zu individuell wirksamen Haltungen werden. Jutta Standop (Trier) zeigt, wie sich ethische Berufsüberzeugungen von Lehrern in der Reflexion über das eigene Menschenbild und die eigene Professionalität ausformen. Anna Maria Riedl (Münster) zeigt die Relevanz ethischer Diskurse über Anerkennung für die Ausgestaltung pädagogischer Beziehungen auf. Die Ergebnisse zweier Studien zeigen, wie zum einen berufspädagogisch relevante Haltungen bei Lehrkräften gefördert werden können (Christina Schwer, Münster/Claudia Solzbacher, Osnabrück) und wie zum anderen angehende Lehrkräfte bereits unterschiedlich gefärbte Einstellungen bestimmten Schulformen gegenüber mitbringen, was wiederum nicht ohne Auswirkungen auf das spätere Berufshandeln bleiben wird (Lothar Müller und Jutta Standop, Trier). Axel Bernd Kunze (Bonn/Weinstadt) stellt eine Methode vor, wie ethische Fallbesprechungen in der Fachschule für Sozialpädagogik eingesetzt werden können. Bei Schulentwicklungsprozessen werden zunehmend schulexterne Training- oder Coachingangebote genutzt. Mechthildisch Bocksch (Bamberg) macht deutlich, auf welche berufsethischen Standards bei der Auswahl entsprechender Anbieter geachtet werden sollte. Zum Abschluss des Thementeils diskutiert Wolfgang Herden (Heilbronn), welche zeitgemäße Bedeutung dem überkommenen Begriff der Herzensbildung im heutigen Berufsalltag und in der beruflichen Ausbildung zufallen sollte.“

Im Rezensionsteil werden besprochen:

  • K. Peter Fritzsche (Hg.): Menschenrechte. Eine Einführung mit Dokumenten (Rez.: Axel Bernd Kunze)
  • Bert Roebben: Schule für das Leben. Eine kleine Didaktik der Hoffnung (Rez.: Axel Bernd Kunze)
  • Udo F. Schmälzle: Wissen, Bildung und Schule neu denken. Zugänge zu einem franziskanischen Bildungskonzept (Rez.: Stephan Mokry)
  • Thomas Fleischer: Schule personzentriert gestalten (Rez.: Matthias Bär)
  • Walter Lesch (Hg.): Christentum und Populismus. Klare Fronten?; Benedikt Maximilian Löw: Christen und die Neue Rechte!? Zwischen Ablehnung und stiller Zustimmung. Eine Problemanzeige (Rez.: Hans-Michael Mingenbach)
  • Ali Benjamin: Die Wahrheit über die Dinge, die einfach passieren (Rez.: Astrid Frey)
  • Madeleine L’Engle: Das Zeiträtsel (Rez.: Karin Steinfeld-Bartelt)

 

Themenheft: Pädagogische Urteilsbildung

Das neue Themenheft der Zeitschrift PÄDAGOGIKUNTERRICHT, der größten Fachzeitschrift für pädagogische Fachdidaktik im deutschsprachigen Raum, widmet sich dem Thema PÄDAGOGISCHE URTEILSBILDUNG (38. Jg., H. 4, ISSN 0176-179X):

  • Gernod Röken: Pädagogische Urteilsbildung – eine vertiefende, differenzierende und mit Orientierungsbeispielen versehene Bestimmung
  • Fred Heindrihof: Interkulturelle Bildung in Auseinandersetzung mit politisch-affirmativen Orientierungen
  • Margaretha Armbrüster: Pädagogische Urteilsbildung zwischen Kernlehrplan, „Meinungsfalle“ und Erwartungshorizonten – ein Rückblick auf die Abituraufgaben des Anforderungsbereiches III im Leistungskurs 2018
  • Carsten Püttmann, Bernd Rudow, Bernd Fischer: Belastungen und Gesundheit von Erzieherinnen
  • Gizem Can: Ein Praxisbeispiel zur Förderung der Selbstbestimmungsfähigkeit Heranwachsender

Die Zeitschrift wird vom Verband der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen herausgegeben. Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören Prof. Dr. Beyer (Univ. Köln), Prof. Dr. Bernhard (Univ. Duisburg-Essen), Jun.-Prof. Dr. Gather (Univ. Paderborn) und PD Dr. Kunze (Univ. Bonn) an.

Tagungsbericht: Zweite Frankfurter (In-)Kompetenzkonferenz zur Digitalisierung in der Bildung

Thomas Thiel berichtet in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10. Oktober 2018 über die Zweite Frankfurter (In-)Kompetenzkonferenz zur Digitalisierung in der Bildung – unter dem Titel: Lernen im Chatroom. Im Tagungsbericht heißt es:

Die Gesellschaft für Bildung und Wissen, die den Kongress
zum zweiten Mal organisierte, ist eine Art gallisches Dorf, das
den Bildungshumanismus gegen die breite Front von Bertelsmännern,
Kuschelpädagogen und Reformtechnokraten in der
deutschen Bildungspolitik verteidigt. Der Konferenztitel ist eine
ironische Anspielung auf deren Ziel, Fachwissen durch abstrakte
Kompetenzen zu ersetzen. Rund 350 Zuhörer fanden
sich im großen Medizinerhörsaal der Goethe-Universität ein.
„Reichen die Würstchen?“, fragte Josef Pfeilschifter, Dekan der
Medizinischen Fakultät, angesichts des unerwarteten Zustroms.
Sie reichten. Es wäre sogar noch eins dagewesen für einen
Politiker, der das Smartphone im Unterricht verteidigt. Er
hätte auch ein Wort dazu sagen können, ob man wirklich
glaubt, dass Schüler darauf am liebsten Mathematikaufgaben
lösen.

Buchtipp: Bildung in der Demokratie

Der Verlag für Kultur und Wissenschaft wirbt in der neuen Ausgabe des „Burschenschafters“ (Jg. 2, 2/2018, S. 11) für den Titel:

Bildung in der Demokratie

Axel Bernd Kunze: Bildung in der Demokratie. Warum pädagogischer Eigensinn und Freiheit unverzichtbar sind.

Pädagogik ist nicht selbst politisch, aber politisch relevant – durch das, was sie dem Einzelnen mitgibt. Indem Bildung zur Freiheit im Denken, Reden und Handeln befähigt, ist sie für Demokratie unverzichtbar. Umgekehrt wird sich nur ein demokratisch verfasster Staat politisch mündige Bürger wünschen und auch ertragen können. Pädagogischer Widerspruch ist dort notwendig, wo Bildungspolitik die Bürger glauben machen will, sie wüsste schon im Voraus besser, wofür diese ihre Freiheit einsetzen sollten. Die Zukunft liegt nicht fertig vor uns, sondern muss erst noch entworfen werden – unter
Herausforderungen, die wir heute noch nicht überblicken können. Den hierfür notwendigen Mut zur Freiheit wird nur eine Pädagogik
wecken können, die sich ihren pädagogischen Eigensinn bewahrt und ihre eigene pädagogische Freiheit nicht unter Wert verkauft.
Streitbar, kritisch und unkonventionell diskutiert der Band aus pädagogischer und bildungsethischer Perspektive aktuelle Bildungsaufgaben,
vor denen unser Gemeinwesen steht: von einer Erziehung zur Toleranz über gesellschaftliche Integration und Inklusion bis zum Umgang mit religiöser Vielfalt.
Axel Bernd Kunze ist promovierter Sozialethiker und habilitierter Erziehungswissenschaftler. Er leitet eine Fachschule für Sozialpädagogik und lehrt als Privatdozent am Bonner Zentrum für Lehrerbildung. Daneben ist er in München und Heilbronn als Lehrbeauftragter für (berufs-)ethische Fragen in der Sozialen Arbeit tätig.

Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn; ISBN 9783862691487; 164 Seiten, 15,80 €.

Der Band ist in jeder Buchhandlung erhältlich.

Neuerscheinung: Pädagogische Berufsethik

Neues Themenheft der Fachzeitschrift engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule:

Axel Bernd Kunze (verantw. Hg.): PÄDAGOGISCHE BERUFSETHIK

36. Jahrgang, Heft 2/2018, Münster (Westf.): Aschendorff 2018.

Editorial – Zu diesem Heft:

Bildung ist ein zentraler Schlüssel für Selbstbestimmung und aktive Teilnahme am sozialen Leben. Einerseits kann der Einzelne sich als Subjekt nur im sozialen Miteinander verwirklichen und damit in der gemeinsamen Sorge um das Gemeinwohl. Die Möglichkeit, sein Leben aktiv gestalten und etwas zum gemeinsamen Zusammenleben beitragen zu können, ist eine zentrale (wenn auch nicht die einzige) Quelle sozialer Anerkennung und Wertschätzung. Sein Leben aktiv gestalten zu können, ist zentrales Kennzeichen einer durch Bildung substantiell bestimmten Lebensform.

Andererseits sind die sozialen Institutionen so zu gestalten, dass sie dem Einzelnen die aktive Teilhabe am politischen und sozialen Leben auch real ermöglichen – und damit die Beteiligung an jenen sozialen Aushandlungsprozessen, in denen das Gemeinwohl immer wieder von neuem gefunden und angestrebt werden muss. Die Fähigkeit, aktiv etwas beitragen zu können, bleibt abhängig von realen Teilhabemöglichkeiten; diese wiederum können auf Dauer nicht ohne ein sie stützendes Ethos gesichert werden, also ohne den gelebten Willen, auch etwas zum Gemeinwohl beizutragen. Die Möglichkeiten sozialer Teilhabe müssen bildungspolitisch abgesichert werden. Dem Einzelnen zu helfen, die dadurch eröffneten Chancen zur Bildung für sich gewinnbringend zu nutzen, stellt eine entscheidende Erziehungsaufgabe dar.

Lehrer tragen wesentlich Verantwortung dafür, dass Heranwachsende ihr Recht auf Bildung verwirklichen können. Ihr Beruf kann als zentrale Menschenrechtsprofession begriffen werden. Eine pädagogische Berufsethik braucht nicht allein eine Ethik des Handelns, welche die Ziele und Methoden des professionellen Tuns verantwortlich ausweist. Vielmehr bedarf es auch einer Ethik des Denkens und der wissenschaftlichen Theoriebildung. Die Ansprüche und Instrumente einer „moralischen Profession“ müssen der ethischen Kritik ausgesetzt und auf ihre Lebensdienlichkeit hin befragt werden, beispielsweise unter dem Anspruch, die unhintergehbare Würde eines jeden einzelnen Schülers zu achten, dessen Freiheit und Integrität zu wahren sowie ihn vor Diskriminierung und Stigmatisierung zu schützen.

Zugleich wird selbstkritisch auf die Grenzen des eigenen professionellen Handelns zu achten sein. Denn Lehrer, Schulleitungen oder Schulverwaltungen können erheblich in den Kernbereich der Persönlichkeit, die Privatsphäre und die Lebensplanung der Schüler eingreifen.

Bildung ist im Wesentlichen Beziehungsarbeit, die Lehrer-Schüler-Beziehung muss als Vertrauensverhältnis gesehen werden. Im Unterricht muss der Schüler darauf vertrauen können, dass die Inhalte des Lernens wert sind, weil der Lehrer sich nicht einfach hinter dem Lehrplan versteckt, sondern diese selbst auf Sinn hin befragt hat. Dann sollte der Unterricht so gestaltet sein, dass der Schüler zunehmend lernt, sich selbst zu vertrauen. Wer erzieht, soll gerecht handeln, nicht aus Gerechtigkeit, also um einer bestimmten Idee willen. Die Freiheit und Selbstbestimmungsfähigkeit des Educandus muss auf dem gesamten pädagogischen Weg mitgedacht werden. Wer erzieht, muss Zutrauen in die Werturteilsfähigkeit des Schülers mitbringen und dessen unbestimmte Bildsamkeit achten. Zugleich benötigen Lehrkräfte selbst ein gesichertes Maß an pädagogischer Freiheit.

Jeder Einzelne hat grundsätzlich dasselbe Recht, sich zu bilden und seine Fähigkeiten zu entfalten. Die Chance, sich jenen Bildungsstand zu erarbeiten, der ihm individuell möglich ist, darf niemandem abgesprochen werden. Diese Einsicht entspricht der klassischen Forderung nach arithmetischer Gerechtigkeit: Allen das Gleiche! Sie verlangt Diskriminierungsfreiheit für jeden Schüler und gleiche Qualität für alle Bereiche des Schulwesens.

Pädagogisches Handeln muss immer mit faktischer Ungleichheit umgehen. Das Prinzip egalisierender Gerechtigkeit vermag daher nicht, alle sozialen Beziehungen im Bildungssystem zu regulieren; es bedarf der Ergänzung um das Prinzip proportionaler Gerechtigkeit: Jedem das Seine!  Dies meint, jeden Lernenden nach seinen Leistungen und Bedürfnissen zu behandeln, zu fördern, aber auch zu fordern. Wenn Heranwachsenden die Forderung und Herausforderung, sich anzustrengen, verweigert wird, fehlt ihnen eine wesentliche Bedingung dafür, zu entdecken, was in ihnen steckt, und ihre Persönlichkeit zunehmend eigenständiger in der Bewältigung der Herausforderung zu entwickeln.

Der Lernende muss sich in einer verfassten Gruppe bewähren. Die Klassengemeinschaft ist ein modellhafter Lernort, wo der Umgang mit Gerechtigkeitsfragen praktisch erfahren und eingeübt wird. Allerdings geht es dabei um soziale Bedürfnisse, die dem Kind – beispielsweise vom Lehrer – zugeschrieben werden. Individuelle Bedürfnisse sind stets einzigartig, damit aber auch nicht durch Normen, Regeln oder Strukturen fassbar. Gleichwohl wird pädagogisches Handeln auf die individuellen Bedürfnisse zu achten haben: Diese sind in moralischer Hinsicht allerdings keine Frage der Gerechtigkeit, sondern der pädagogischen Billigkeit. Gemeint ist ein berichtigendes, den Einzelfall berücksichtigendes Prinzip der Gerechtigkeit, das die geltenden Maßstäbe selbst nicht in Frage stellt. Denn eine übersteigerte Gerechtigkeit, die dem Einzelnen lieblos gegenüber stünde, würde auf Dauer ihr eigenes Fundament untergraben: Der Wille zur Gerechtigkeit erlahmt, wo die Anerkennung individueller Freiheit und Einmaligkeit schwindet.

Entscheidend hierbei bleibt das komplementäre Zusammenspiel von Freiheit und Gleichheit. Insofern das Bildungssystem gleiche Chancen zur Bildung garantieren soll, darf es doch nicht ausschließen, dass die Individuen diese unterschiedlich nutzen. Die Einzelnen sollen in der Schule nicht „gleich gemacht“ werden. Alle sollen aber gleichermaßen in der Lage sein, sich jene Fähigkeiten anzueignen, die für eine selbstbestimmte Lebensführung notwendig sind – und sie sollen die Möglichkeit haben, über den eigenen Lebensweg selbst zu bestimmen, soweit sie andere nicht darin hindern, dies gleichfalls zu tun.

Das Themenheft fragt nach Grundlagen und zentralen Prinzipien einer eigenständigen Berufsethik für den Lehrerberuf im Allgemeinen (Thomas Kesselring, Bern) wie für die Religionspädagogik (Bernhard Grümme, Bochum) und die Lehrerausbildung (Jan Dochhorn, Durham; Axel Bernd Kunze, Bonn/Weinstadt) im Besonderen. Der abschließende Beitrag zeigt exemplarisch am Verein katholischer deutscher Lehrerinnen auf, welche Rolle berufsethische Fragen innerhalb der berufsständischen Interessenvertretung spielen (Roswitha Fischer, Essen).

Axel Bernd Kunze

Im Rezensionsteil werden besprochen:

  • Markus Enders (Hg.): Christliche Bildung und Erziehung heute, Nordhausen (Harz) 2017 (Rez.: W. Wittenbruch)
  • Bianca Preuß (Hg.): Inklusive Bildung im schulischen Mehrebenensystem, Wiesbaden 2018 (Rez.: S. Sauter)
  • Volker Ladenthin: Mach’s gut? Mach’s besser! Eine kleine Ethik für den Alltag, Würzburg 2017 (Rez.: R. Fischer)
  • Andreas Hausotter: Wer bin ich + was kann ich? Religiöse und ethische Grundfragen kontrovers und schülerzentriert, Berlin 2016 (Rez.: M. Bär)
  • Ruth Großmann, Gudrun Perko: Ethik für Soziale Berufe, Paderborn 2011; Joachim Weber: Soziale Arbeit aus Überzeugung, Opladen u. a. 2014 (Rez.: A. B. Kunze)
  • Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete., Reinbek b. Hamburg 2017 (Rez.: R. Griebel-Kruip)
  • Clémentine Beauvais: Die Königinnen der Würstchen, Hamburg 2017 (Rez.: A. Frey)
  • Ray Bradbury: Das Böse kommt auf leisen Sohlen, Hamburg 2017 (Rez.: H. Krebs)
  • Yumoto Kazumi: Am Ende des Sommers, Basel 2017 (Rez.: N. Lorrig)