Schlaglicht – aus aktuellem Anlass: Woher der Hass auf geistiges Eigentum? …

… fragt – bzw. „hetzt“, wie Stefan Niggemeier auf Twitter meint – heute Roland Reuss  im Feuilleton der F.A.Z. Der „Perlentaucher“ verunglimpft den Germanisten als „ultrareaktionär“. Denn merke: Wer heute anderer Meinung ist, hetzt.

Ein weiterer Beitrag im F.A.Z.-Feuilleton weist auf die demokratietheoretische Bedeutung des Urheberrechts hin: „Denn die Leistungen von Urhebern, Produktionsunternehmen, Sendeunternehmen und Presseverlegern gehören zu diesen Kräften. Sie stiften Kultur und damit Gemeinsinn und tragen auf unterschiedliche Weise qualifiziert zur (gegenseitigen) Wissens-, Meinungs- und Willensbildung bei.“ Der gesamte Beitrag ist auch online einsehbar:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/eu-parlament-stimmt-ueber-urheberrecht-ab-15781262.html

Wo Identitätsfragen tabuisiert werden und der Einzelne nicht mehr zählt, schwindet auch der Respekt vor den Leistungen des Individuums. Die geistig Produktiven im Land sollen enteignet werden – zugunsten einer Konsumhaltung, die im Letzten wenig kreativ und innovativ ist.

Ganz anders die „Wikipedia“, die heute schwwarz trägt, wie es in den Feuilletons der Republik heißt:

„An all unsere Lesenden in Deutschland
Es braucht jetzt ein zeitgemäßes Urheberrecht.

Diese Woche brauchen wir Ihre Hilfe. Die Wikipedia wird erst durch Menschen wie Sie möglich gemacht: Indem Sie Wikipedia lesen, Artikel schreiben und verbessern, Fotos auf Wikimedia Commons hochladen und mehr.

Am 12. September stimmt das Europäische Parlament über Änderungen im EU-Urheberrecht ab. Es wird festlegen, wie wir im Digitalen Zeitalter online kommunizieren und Wissen teilen werden, ob sämtliche hochgeladenen Inhalte zuerst gefiltert werden oder wir uns weiterhin in Echtzeit verständigen können. Darum protestieren wir Autorinnen und Autoren der Wikipedia insbesondere gegen sogenannte Upload-Filter und ein europaweites Leistungsschutzrrecht für Presseverleger. Beide könnten diese Woche verabschiedet werden und bergen Risiken für freies Wissen und Austausch im Netz.

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben die Wichtigkeit dieses Augenblicks erkannt. Wir rufen Sie als Lesende dazu auf, Ihre Abgeordneten im Europäischen Parlament zu kontaktieren, damit die Wikipedia und das Internet Orte bleiben, wo frei Information ausgetauscht und konsumiert werden kann, in Deutschland genauso wie anderswo auf der Welt. Danke.“

NEIN, ich werde diesen Aufruf nicht unterstützen. Konsumiert werden kann nur dort, wo auch etwas erschaffen und angemessen vergütet wird – und hierfür brauchen wir ein leistungsfähiges Urheberrecht und funktionierende Verwertungsgesellschaften, damit der einzelne Autor nicht atomisiert wird. Sollte das neue Urheberrecht durchkommen, würde die EU an Freiheit, Individualität und Kultur verlieren – und damit genau das, was Europa einmal groß gemacht hat.

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Rezension: Zuwanderung kontrovers

Der Band Zuflucht – Zusammenleben – Zugehörigkeit!? Kontroversen der Migrations- und Integratinspolitik interdisziplinär beleuchtet (hg. v. Andreas Fisch, Myriam Ueberbach, Prisca Patenge und Dominik Ritter; Reihe Forum Sozialethik; 18) ist mittlerweile in zweiter, durchgesehener Auflage erschienen.

In dem Band findet sich auch ein Streitgespräch zu den Chancen und Grenzen schulischer Integration. Alexandra Kemmer schreibt in einer Rezension für das Magazin „Publik-Forum“ hierzu:

„Kunze und Fisch bieten anregende Beispiele einer erneuerten Debattenkultur, die auch harten Gegensätzen Raum bietet und zeigt, wie in Akademien und Bildungshäusern (und auf Katholiken- und Kirchentagen) eine Auseinandersetzung auch mit [….] nationalkonservativen […] Positionen aussehen kann.“

 

Gesegnete Pfingsten!

Mit dem heutigen Himmelfahrtstag schreiten wir auf Pfingsten zu. Ich wünsche allen Lesern meines Weblogs gesegnete Pfingsten, belebende pfingstliche Erfahrungen sowie erholsame Ferientage. Vielleicht mögen die folgenden Gedanken ein paar Anstöße für die kommenden Tage zu geben. Bleiben Sie meinem Weblog treu, ich freue mich auf den weiteren bildungsethischen Austausch mit Ihnen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Axel Bernd Kunze

 

Die Situation ändert sich an Pfingsten. Das Pfingstgeschehen bringt neuen Schwung. Jetzt spüren die Jünger, was Jesus gemeint hat, als er ihnen einen anderen Beistand verheißen hat. Sie trauen sich an die Öffentlichkeit und teilen anderen davon mit, was sie erlebt und erfahren haben.

Wird damit wieder alles wie früher? – so, wie vor seiner Verhaftung, als Jesus ihre Schar anführte und sie sein Beispiel direkt vor Augen hatten?

Nein! Pfingsten ist ein Neuaufbruch, nicht einfach die Rückkehr zu alten Verhältnissen. Der Heilige Geist ist kein Lückenbüßer. Er konserviert nicht einfach einen früheren Zustand, sondern führt auf seine Weise fort, was in der Geschichte Jesu begonnen hat.

Mit Jesus Christus ist Gottes Reich sichtbar auf Erden angebrochen. In seiner Person hat er uns gezeigt, wer Gott für uns ist. Gottes Liebe nahm für uns sichtbar Gestalt an: eine Liebe, der selbst der Tod nichts anhaben konnte.

Ohne die Sendung des Heiligen Geistes bliebe diese Erfahrung der ersten Christen für uns aber nur Erinnerung. Im Geist hingegen setzt sich diese Selbstoffenbarung Gottes lebendig fort – im lebendigen Leib Christi, der wir als Kirche sind. Dabei geht es um mehr als ein gutes Gefühl oder die Motivation, die Welt gerecht zu gestalten.

Der Heilige Geist ist das lebendige Band zwischen Vater und Sohn: die personale Liebe zwischen beiden, die ausgegossen ist in unsere Herzen.

Liebe ist immer wieder schöpferisch und kreativ. Denn wer könnte sagen, in der Liebe schon alles ausgeschöpft zu haben?

Und so ist der Heilige Geist der Lebensatem, der die Kirche lebendig erhält. Er lässt die Kirche immer wieder neu Gottes Liebe und Nähe spüren. Er erneuert durch die Sündenvergebung die Kirche immer wieder dort, wo sie diese Liebe nicht erwidert hat. Er führt die Kirche durch die Zeiten und lässt sie in jeder Situation neu erfahren, was die Wahrheit des Glaubens ausmacht: nicht ein fester Besitz konservierter Erfahrung, sondern die lebendige Erfahrung von Gottes bleibender Nähe und Liebe. So können wir die ganze Wahrheit immer tiefer erfahren.

entnommen aus: Axel Bernd Kunze: Kein Lückenbüßer [Lesejahr B. Pfingstsonntag], in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 15 (2018), H. 3, S. 453 – 469.

Gute Wünsche für gesegnete Kar- und Ostertage

Mit dem heutigen Palmsonntag beginnt die Feier der Kar- und Ostertage. Allen, die mein Weblog zur Bildungsethik interessiert verfolgen, wünsche ich gesegnete Kar- und Ostertage, gute Feiertage sowie erholsame Osterferien. Vielleicht können die folgenden Gedanken ein paar Akzente für die kommenden Tage setzen. Ich freue mich, wenn wir auch weiterhin im gemeinsamen Austausch über bildungsethische Fragen miteinander in Verbindung bleiben.

Ihr Axel Bernd Kunze

„Ostern steht nicht für eine Totenauferweckung, durch die der Verstorbene in sein bisheriges Leben zurückkehrt. Ostern steht für die endgültige Überwindung des Todes, für eine ganz neue und einzigartige Wirklichkeit, die über unseren irdischen Erfahrungsbereich hinausgeht. Uns Menschen, die noch diesseits des Todes leben, fehlt die Möglichkeit, uns diese Wirklichkeit umfassend vorzustellen und davon zu sprechen.

Das irdische Leben Jesu – seine Verkündigung, sein Tod, sein Begräbnis – können wir beschreiben. Was aber mit Ostern in unsere Welt einbricht, liegt auf einer anderen Ebene von Wirklichkeit, entzieht sich unserer Kontrolle. Wir können darüber nur in übertragener Weise sprechen. Schon die Rede von einem „historischen Ereignis“ versagt beim Ostergeschehen, da es um eine Wirklichkeit jenseits unserer irdischen Geschichte geht.

Der verstorbene Wiener Neutestamentler Jacob Kremer, der sich viel mit den biblischen Ostergeschichten beschäftigt hat und daher auch oft liebevoll „Osterjacob“ genannt wurde, hat die Schwierigkeiten, von Ostern zu sprechen, einmal in folgendes Bild gepackt: Die Ostergeschichten des Neuen Testaments veranschaulichen das, was an Ostern geschehen ist, nicht in Form einer einfachen Fotographie, sondern als ein gutes, vielschichtiges Gemälde. Das Bild, welches das Neue Testament uns von Ostern zeichnet, bezeugt auf verschiedenartige Weise, was an Ostern geschehen ist und wie die neue Wirklichkeit in unsere Welt einbricht.

Die Erscheinungen des Auferstandenen sind starke subjektive Erfahrungen, die das Neue und Unfassbare erfahrbar werden lassen: Jesus lebt. Es geht um diese Erfahrung.

Über den Vorgang der Erscheinungen selbst sagen uns die neutestamentlichen Texte hingegen nichts. Aber sie machen deutlich, dass die Zeugen der Ostererscheinungen diese einmalige Erfahrung sehr deutlich von anderen mystischen Erlebnissen, Träumen oder Visionen unterscheiden. Nicht die Berichte über das leere Grab oder eine Engelerscheinung am Ostermorgen, sondern die Bezeugung der Apostel und anderer, dem Auferstandenen begegnet zu sein, begründet den Glauben der frühen Christen.“

Auszug aus einem Predigtvorschlag zum Ostermontag:

Axel Bernd Kunze: Ostermontag: Fortdauernde Begegnung mit dem Auferstandenen (Lk 24, 13 – 35), in: Der Prediger und Katechet. Praktische katholische Zeitschrift für die Verkündigung des Glaubens 157 (2018), H. 3., S. 324 – 327.

Jahresrückblick 2017

Nachdem auch die letzten Publikationsnachträge aus dem Vorjahr erschienen sind, ist der Jahresrückblick mit Veröffentlichungen, Vorträgen und Hinweisen zu meinen sonstigen pädagogischen und sozialethischen Tätigkeiten aus dem Jahr 2017 online. Sie finden diesen hier.

Für Anfragen oder Rückmeldungen stehe ich gern zur Verfügung. Ich freue mich, wenn Sie meine pädagogische und sozialethische Tätigkeit auch weiterhin interessiert begleiten.

Sozialethische Publikationen 2017

Jährlich erstellen die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle in Mönchengladbach und die Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Sozialethiker eine Publikationsliste aktueller sozialethischer Veröffentlichungen. Die neue Liste mit Neuerscheinungen aus dem Jahr 2017 ist soeben erschienen; bildungsethische Veröffentlichungen finden sich in Kapitel 8 (S. 17 f.):

http://www.ksz.de/fileadmin/user_upload/Sozialethischer_Literaturbericht/Sozialethische-Publ-2017-PDF.pdf

Die kumulierte Publikationsliste mit Veröffentlichungen der Jahre 2009 bis 2016 ist ebenfalls aktualisiert worden:

http://www.ksz.de/fileadmin/user_upload/Sozialethischer_Literaturbericht/Sozialethische-Publ-2009-2016-PDF__2_.pdf

Gesegnete Weihnachten und alles Gute für das neue Jahr

Christus natus est. Alleluja! Venite, adoremus. Alleluja!

Herzlichen Dank sage ich für Ihr Interesse an den Beiträgen meines Wissenschaftsweblogs. Ich hoffe, Sie auch künftig zu meinen Lesern zählen zu dürfen, würde mich freuen, den bildungsethischen Austausch auch im neuen  Jahr mit Ihnen fortsetzen zu können.

Frohe und gesegnete Weihnachtstage sowie Gottes Segen für das neue Jahr wünscht von Herzen

Ihr Axel Bernd Kunze

 

Licht strahlt auf

Was für eine Vision, die uns Jesaja heute schildert! Über einer Welt, die in Dunkel und Finsternis liegt, geht ein überirdisch helles Licht auf. Glanz strahlt auf vom Zion, vom Berg des Herrn mit seinem Tempel. Der Prophet fordert uns auf, umher zu schauen. Es klingt wie die Forderung, die Augen zu schließen und in die Zukunft zu blicken. Was sehen wir vor unserem inneren Auge? Eine endlose Karawane, die nach Jerusalem zieht, beladen mit zahllosen Schätzen und Reichtümern, mit Gold und Weihrauch, mit blitzenden Kronen und prächtigen Gewändern.

Doch die Wirklichkeit sah anders aus. Die dunklen Jahre der Fremdherrschaft und des babylonischen Exils waren zu Ende. Die Verbannten konnten wieder heimkehren. Aber das Land lag am Boden. Jerusalem und sein Tempel waren eine Trümmerstätte. Und der Neuanfang zwischen denen, die im Land geblieben waren, und jenen, die heimkehrten, gestaltete sich keineswegs einfach. Jesajas Vision ist mehr Wunsch als Wirklichkeit.

Und doch! Gott hält Wort. Jesajas Vision hat sich erfüllt, wenn auch anders, als der Prophet sich das vorgestellt hat. Die kirchliche Tradition hat Jesajas Vision mit dem Weihnachtsgeschehen in Verbindung gebracht. Und so haben die Könige mit ihren Kamelen und Dromedaren den Weg an die Krippe gefunden.

Das Evangelium identifiziert dieses kleine Kind am Rande des Weltgeschehens mit jenem Licht, das vom Zion ausgeht. Dieses Kind verändert den Lauf der Geschichte – nicht durch äußere Macht, auch nicht durch Rückkehr zur Vergangenheit, die im Nachhinein oft verklärt wird.

In früheren Zeiten wurden Planetenkonstellationen als Hinweis auf außergewöhnliche Ereignisse gedeutet, etwa die Geburt eines Königssohnes. Die Sterndeuter machen sich auf den Weg: angetrieben von einer inneren Unruhe, verlassen sie ihr Denksystem und die Religion ihrer Heimat. Sie machen sich auf, die Wahrheit zu suchen.

Und wo fragen sie zuerst? In der Hauptstadt, am Königshof. Hier sollte der neugeborene Herrscher zu finden sein. Doch weit gefehlt. Aber immerhin erhalten sie am Königshof den entscheidenden Hinweis. Dabei baut Matthäus zwei Pointen ein.

Wie schon bei der Berufung Davids zum König, erwählt Gott nicht den ältesten oder stärksten der Söhne, sondern den jüngsten und unbedeutendsten, den selbst der eigene Vater sich nicht als König vorstellen mag. Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen, singt Maria im Magnifikat bei Elisabeth. So ist es auch jetzt: Nicht die Hauptstadt Jerusalem, sondern das Provinznest Betlehem soll Geburtsstadt des Messias werden.

Und der neue Herrscher wird nicht allein als Monarch tituliert. Es geht nicht bloß um einen weiteren König in davidischer Abstammung. Der jetzt geboren wird, ist der wahre Hirt Israels. Gottes Königtum erweist sich gerade in der Fürsorge um sein Volk.

In Betlehem finden die Sterndeuter in den Heiligen Schriften jene Wahrheit, die sie anfangs nur erahnten, jene Orientierung, die ihrem Leben Richtung gibt. Und anders als die Schriftgelehrten am Hofe lassen sie diese in ihr Leben. Neben der königlichen Gabe des Goldes und dem Weihrauch göttlicher Verehrung bringen sie noch Myrrhe mit. Schon hier deutet sich der Tod Jesu an. Nikodemus wird später den Leichnam des Gekreuzigten damit salben. Jesus ist der Heiland, der uns durch sein Sterben am Kreuz von der Sünde erlöst. Diese Botschaft hat die Welt verändert. Über allem Dunkel und allen Finsternissen dieser Weltzeit leuchtet bereits das Licht der Erlösung. Die Sterndeuter sind als erste aus den Völkern zu diesem Licht aufgebrochen. Unzählige haben es ihnen in der Geschichte gleich getan.

Das, was die Sterndeuter fanden, erfüllte sie mit großer Freude: einer Freude, die nur aus der Begegnung mit Gott erwachsen kann. Ihren Ausdruck findet diese Gottesbegegnung in der Anbetung. Hier geschieht Zwiesprache zwischen Gott und Mensch. In der Anbetung macht sich der Mensch nicht klein, sondern begegnet er Gott auf Augenhöhe. Er muss nicht auf eigene Macht oder Stärke setzen, er braucht sich aber auch nicht zu verstecken. In der Anbetung findet der Mensch zum Urgrund seines Daseins, der seinem Leben Sinn und Richtung gibt. So sind auch wir eingeladen, anbetend die Knie zu beugen und Jesus Christus zu huldigen.

(Axel Bernd Kunze – Auszug aus: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen, Heft 1/2018 – zum Hochfest der Erscheinung des Herrn)