Boykottaufruf gegen „Die Neue Ordnung“ löst weiterhin Widerspruch aus

Der Boykottaufruf der sozialethischen Lehrstuhlinhaber im deutschsprachigen Raum gegen die vom Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg herausgegebenen Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ löst weiterhin deutlichen Widerspruch aus. Kritisch kommentiert hatte disesen Boykottaufruf u. a. die katholische Wochenzeitschrift „Die Tagespost“ in ihrer Ausgabe vom 28. März 2019. Eine Woche später folgen die Leserkommentare – und die fallen eindeutig aus, wie schon die Überschriften belegen: Maulkorb statt Argument; Erinnert an die Zeit vor 75 Jahren; Erzieherische Anmaßung.

Jürgen Liminski, der u. a. für den Deutschlandfunk gearbeitet hat, wird in der „Jungen Freiheit“ vom 5. April 2019 gleichfalls deutlich: „Dieser Aufruf offenbart ein Denken, das man eher in Nordkorea oder Saudi-Arabien verorten würde.“ Liminski zitiert den früheren Osnabrücker Sozialethiker Martin Spieker mit den Worten: „Ich hätte nicht gedacht, daß sich die AG Christliche Sozialethik auf dieses Niveau begibt. […] das riecht schon sehr nach Bücherverbrennung.“ Der Boykottaufruf zeigt für Liminski, wie es um die wissenschaftliche Debatte im gesellschaftlich gespaltenen Deutschland bestellt ist: „Es wäre eigentlich die Aufgabe der Intelligenzija eines Landes, solche irrationalen Prozesse zu dämpfen und zu versachlichen. Das geschieht in der Zunft der christlichen Sozialethiker offenbar nicht (mehr).“ Der Chefredakteur der „Neuen Ordnung“, P. Wolfgang Ockenfels OP, wolle sich, wie es im Beitrag heißt, vorerst nicht äußern. Liminski liest sein neues Editorial in der aktuellen Ausgabe der „Neuen Ordnung“, das sich mit dem Fall Relotius beim Hamburger Magazin „Spiegel“ beschäftigt, allerdings als ein indirektes Statement – Ockenfels schreibt: „Es ist die sozialpsychologisch interessante Verbindung von deutscher Sentimentalität und Brutalität. Das passende Format dazu liefert die quasireligiöse Inbrunst, mit der sachliche Fragen wie Immigration und Klimawandel in den Status von Glaubensentscheidungen erhoben werden. Wer in solchen, empirisch falsifizierbaren und revidierbaren Fragen es sich frecherweise erlaubt, anderer begründbarer Auffassung zu sein, riskiert den Ausschluss aus einer religiös-politischen und auch wissenschaftlichen Kommunität.“ Liminskis Fazit lautet am Ende: „Man will die alte Ordnung der linksliberalen Gesellschaft bewahren und koste es die christliche Wahrheit.“ Und – so bleibt anzufügen: die Freiheit.

Vor diesem Hintergrund erhält der Appell des Papstes auf seiner Marokkoreise, den die F.A.Z. am 1. April 2019 zitiert, eine ganz neue Bedeutung. Der sozialethisch fragwürdige UN-MIgrationspakt wirft seine Schatten. „Die Länder, die Flüchtlinge aufnähmen,“ – so zitiert die F.A.Z. den Papst – „würden durch deren Beitrag bereichert, sofern dort ‚jede Art vo Diskriminierung und jedes fremdenfeindliche Geühl‘ verhindert werden.“ Dies eröffnet ein breites Feld für Einschränkungen der Presse-, Publikations- und Meinungsfreiheit. Ein Staat, der die Gefühle seiner Bürger administrativ-polizeilich steuert, um kritische Gedanken unterdrücken zu wollen, ist auf Dauer kein Ort der Freiheit mehr. Gerade im „Jubiläumsjahr“ der Karlsbader Beschlüsse sollte dies zu denken geben …

 

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