Rezension: Warum Glaube und Bildung zusammengehören …

Soll der Einzelne im Glauben mündig sein und die Heilige Schrift lesen können, bedarf er der Bildung. An verschiedenen Stellen seiner Schriften ruft Luther daher die weltliche Obrigkeit dazu auf, sich um die Bildung der Kinder und Jugendlichen zu kümmern: „Das Kind als solches stellt er in seiner Individualität und Würde als Adressat von Bildung und Erziehung in den Mittelpunkt. Dazu gehört auch, für Mädchen eine umfassendere Allgemeinbildung zu fordern“ – so der Kirchenhistoriker Stephan Mokry (S. 101) im Bändchen „Die Reformation – ein Bildungsgeschehen?“. Die Publikation ist im Rahmen des Projekts „2017: Neu hinsehen! Ein katholischer Blick auf Luther“ entstanden und somit eine Frucht des zu Ende gegangenen Jubiläumsjahres der Reformation. Diese war auch eine Bildungsbewegung und hat – nach den Klosterschulen des Mittelalters – der Bürgerschule zum Durchbruch verholfen, und dies nicht allein aus einem Interesse an gut ausgebildeten kirchlichen Amtsträgern heraus. Mokry zeigt auf, wie die Grunderkenntnis der Rechtfertigung allein aus Glauben zum Impuls für einen modernen Bildungsbegriff wurde: In seiner Ratsherrenschrift plädiert Luther dafür, „junge Menschen so zu erziehen, dass sie ihre Talente entdecken und rein theoretisch nun frei die weitere Entfaltung ihrer Persönlichkeit verfolgen können“ (S. 102). Nicht mehr der Stand, in den jemand hineingeboren wird, sondern die „durch gute Bildung und Erziehung freigelegten, von Gott geschenkten Grundanlagen“ (S. 102) sollen den Lebensweg bestimmen.

Tobias Licht, Stephan Mokry (Hgg.): Die Reformation – ein Bildungsgeschehen? Historische Einordnung und ökumenische Ausblicke, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt; Paderborn: Bonifatius 2017, 125 Seiten.

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