Rezension: Der alte Zauber des Professorenberufs ist weggeblasen …

Hildegard Krämer, Axel Bernd Kunze, Harald Kuypers (Hgg.):

Beruf: Hochschullehrer. Ansprüche, Erfahrungen, Perspektiven,

Festschrift für Prof. Dr. Volker Ladenthin, Paderborn: Ferdinand Schöningh 2013, 286 Seiten.

 

Aus einer Rezension in der aktuellen Ausgabe 2/2017 der schulpädagogischen und erziehungstheoretischen Fachzeitschrift ENGAGEMENT:

„Zunächst muss auffallen, dass gleich mehrere Beiträge eine Degradierung des Hochschullehrers wahrnehmen: Der alte Zauber des Professorenberufs scheint weggeblasen; an die Stelle des abgehobenen oder auch zerstreuten Professors ist der freundliche Dozent getreten, der einen Powerpointvortrag hält und evaluiert wird (zuerst von Studenten und dann anhand der studentischen Evaluationen von Vorgesetzten, die es früher so nicht gab). […]

Von einer demokratischen Mentalität war die Rede, und diese spiegelt sich auch wider in demokratiepädagogischen Konzepten, die tendentiell Demokratie weniger als Staats- denn als Lebensform propagieren, und diese spricht Axel Bernd Kunze an. Demokratie als Lebensform – das kann Totalerfassung von Leben im Sinne eines Prinzips bedeuten, kann auch die Verwechslung von demokratischer Gesinnung (Respekt für die Regeln der Staatsform Demokratie) und Wohlverhalten implizieren (Einpassung in einen Mainstream, der eine offene Diskussion gerade über zentrale Fragen der Gesellschaftsgestaltung gar nicht mehr zulässt).

Pädagogisch ist hier die Gefahr der Überwältigung beziehungsweise Indoktrination gegeben. Autorität mag gut sein, das Autoritäre ist es nicht, und es maskiert sich offenbar gern mit Begriffen des Nichtautoritären (Demokratie). Der Beitrag endet mit einem Zitat von Norbert Bolz: „Kehre um, du musst dein Leben ändern – oder doch wenigstens dein Denken“. Das ist der prophetische Ruf zur Umkehr, in dessen Rahmen eine ebenfalls zitierte prophetische Diagnose von Norbert Bolz wohl ihren richtigen Sinn erhält: „Nichts fürchtet die Regierung einer modernen Massendemokratie nämlich mehr als einen selbständig denkenden Menschen“ (Seiten 146 f.).

Dieser Satz ist schlimm, weil er wahr sein könnte.“

Dr. Jan Dochhorn

Der Rezensent ist Theologe und Senior Lecturer an der Universität Durham (Vereinigtes Königreich).

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