Museumsdidaktik im Lindenmuseum

Ein Museumsbesuch muss nicht trocken und langweilig sein. Das machte eine museumsdidaktische Exkursion der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt deutlich. Gemeinsam mit den beiden Klassenlehrern, Herrn PD Dr. Kunze und Herrn Kienle, besichtigten die Schülerinnen des ersten Erzieherausbildungsjahres das staatliche Völkerkundemuseum in Stuttgart.
Das nach seinem Mäzen, Graf Karl von Linden, benannte Lindenmuseum bietet sich durch kindgerechte Führungen und andere museumspädagogische Angebote für Ausflüge mit Kindergarten- oder Hortgruppen als interessantes Ziel an. Die Beschäftigung mit den Traditionen, Werten und Praktiken anderer Völker lässt auch die eigene Lebensweise in einem anderen Licht erscheinen.
Nach einer kurzen Einführung in die Museumspädagogik gingen die Schülerinnen auf Entdeckungsreise durch die vier Abteilungen des Museums: von Afrika über die islamische Welt und Südasien bis Ostasien. In der Ausstellung über Afrika wird u. a. gezeigt, wie Materialien, die bei uns als Abfall gelten, beispielsweise Getränkedosen, Altreifen oder Draht, andernorts zu Koffern, Sandalen oder Spielzeug weiterverarbeitet werden. Besonderes Staunen riefen Spielzeugmodelle eines Fahrrads, Motorrads oder Flugzeugs hervor, die mit großer Präzision von afrikanischen Kindern aus Draht hergestellt worden sind. Um die eigene Wahrnehmung zu schulen und ein genaues Hinsehen einzuüben, fertigten die Schülerinnen eigene Bleistiftskizzen von ausgestellten Masken an. Im Lindenmuseum findet sich eine Bazarstraße aus Afghanistan, die originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Auch zu dieser fertigten die Schülerinnen unter Anleitung von Herrn Kienle eigene Skizzen der dargestellten Verkaufsstände an. Am Ende waren alle erstaunt, wie schnell die Zeit vergangen war.

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„Wissenschaft trifft Praxis“

„Wissenschaft trifft Praxis“ – unter diesem Motto fand am 21. November 2015 im Stuttgarter Rathaus der zweite Forschungstag des Hochschulnetzwerkes „Bildung und Erziehung in der Kindheit Baden-Württemberg“ statt. Professor Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff vom Zentrum für Kinder- und Jugendforschung der Evangelischen Hochschule Freiburg, zeigte in seinem Vortrag auf, wie dynamisch sich die kindheitspädagogische Forschung in den vergangenen zehn Jahren entwickelt habe. Engagiert diskutierte das Publikum, wie die Fachschulen neuere empirische Befunde in die Ausbildung angehender Erzieher und Erzieherinnen einbinden könnten. Vielversprechend – so der Freiburger Forscher – seien Forschungsprojekte mit der Praxis. Als Beispiel nannte er das Projekt „Herausforderndes Verhalten von Kindern in Kindertageseinrichtungen“ innerhalb des Transferverbundes Kindheitspädagogik. Das Projekt soll klären, wie das Thema curricular und didaktisch in der Erzieherausbildung verankert werden kann. Andreas Hirsch, Abteilungsleiter Kindertagesstätten bei der Stadt Pforzheim, wies in einem Korreferat darauf hin, dass die Fachschulen vor allem grundlegende Kompetenzen wie systemisches Denken oder Reflexionsfähigkeit vermitteln sollten. Diese seien eine unverzichtbare Grundlage für die notwendige Spezialisierung im Berufsleben und alle spätere Weiterbildung, für welche die Träger verantwortlich seien. Auf dem „Marktplatz“ vor dem Vortragssaal präsentierten sich die einzelnen Hochschulen mit ihren kindheitspädagogischen Bachelor-, Master- oder Weiterbildungsstudiengängen.

„Ebbes Bäck, ebbes Doktor“

„Gleichaltrige können am besten davon berichten, was eine Ausbildung bietet und wie interessant es ist, im Rahmen einer Berufsausbildung bereits von Anfang ganz praktisch Verantwortung zu übernehmen.“ – Mit diesen Worten unterstrich Dr. Peter Kulitz, Präsident des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertages, wie wichtig das „Projekt Ausbildungsbotschafter“ in Baden-Württemberg sei. Die „Ausbildungsbotschafter“ gehen in Schulen der Region und berichten dort über ihre Ausbildungserfahrungen.
Kulitz äußerte sich im Rahmen der Veranstaltung „Ebbes Bäck, ebbes Doktor“, die am 18. November 2015 im Stuttgarter Haus der Abgeordneten stattfand. Der Titel stammt aus dem Mund des ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der mit dem Zitat darauf aufmerksam machen wollte, wie wichtig ein gutes Verhältnis von beruflicher Ausbildung und akademischem Studium für die Gesellschaft ist.

Der Abend im Haus der Abgeordneten stand unter der Frage: „Wie bieten wir jungen Menschen die besten Berufschancen?“ Deutlich wurde, wie sehr sich Ausbildungs- und Studiengänge in den vergangenen Jahren verändert haben. Dies bietet neue Möglichkeiten. Herbert Huber, Vorsitzender des Berufsschullehrerverbandes Baden-Württemberg, und Professor Dr. Bastian Kaiser, Vorsitzender der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, warben dafür, Ausbildung und Studium stärker miteinander zu verzahnen. Kompetenzen, die im Rahmen einer Ausbildung erworben werden, sollten auf ein späteres Studium angerechnet werden können.
Ausdrücklich wurde in der Diskussion auf das Beispiel der Erzieherausbildung verwiesen: Wer die schulische Ausbildung im Rahmen der Fachschule für Sozialpädagogik erfolgreich abgeschlossen hat, kann ein anschließendes Studium der Kindheitspädagogik in der Regel um zwei Semestern verkürzen.

Schuljubiläum in Stuttgart

„Vertrauen – Staunen – Danken“ – unter diesem Motto eröffnete die Freie Evangelische Schule Stuttgart (FES) am 22. Januar 2016 mit einem Festakt das Jubilämumsjahr anlässlich ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens. Der Schulverbund besteht aus Grund-, Werkreal-, Realschule und beruflichem Gymnasium. Herr PD Dr. Kunze, stellvertretender Schulleiter an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt, überbrachte anlässlich der Feier einen Gruß seiner Schule. Schülerinnen und Schüler der FES, die im Stuttgarter Stadtteil Möhringen liegt, hospitieren regelmäßig im Unterricht der Weinstädter Fachschule und informieren sich über die Anforderungen der Erzieherausbildung; im vergangenen November war die Fachschule mit einem Stand auf der Ausbildungsmesse der FES vertreten.
Der Festredner, Professor Dr. Thomas Schirrmacher, hob während des Festaktes hervor, dass christliche Schulen sichtbarer Ausdruck der in einer demokratischen Gesellschaft herrschenden Religionsfreiheit seien. Gleichzeitig profitiere die Gesellschaft vom pädagogischen Engagement christlicher Schulen, die den jungen Menschen Wertorientierung, Verantwortung und Zukunftshoffnung vermittelten. Eine christliche Schule, so Schirrmacher, habe eine andere, aber nicht minder wichtige Aufgabe als eine christliche Gemeinde.
Weitere Glückwünsche kamen vom Trägerverein der Schule, vom baden-württembergischen Kultusministerium, von der Landeshauptstadt Stuttgart, vom Evangelischen Schulwerk Baden und Württemberg sowie vom Verband evangelischer Bekenntnisschulen aus. Umrahmt wurden die Grußworte durch Theaterstücke und musikalische Einlagen aus der Schüler- und Lehrerschaft. Besonders begeistert zeigte sich das Publikum über Ausschnitte aus dem Theaterstück „Der Barmherzige Vater. Ein Grußwortredner bemerkte anschließend: Die Aufführung der Grundschüler zu dem bekannten biblischen Gleichnis zeige, dass es auch schon damals „Pubertät“ gegeben habe und diese Lebensphase keine „Erfindung“ unserer Zeit sei.

Umstrittenes G 8

Viele Bundesländer haben die Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre verkürzt. Das bildungspolitische Vorhaben ist umstritten – bis heute. Die nicht abebbende öffentliche Diskussion um diese nicht vorrangig pädagogisch, sondern ökonomisch begründete Schulzeitverkürzung zeigt, dass die Bildungspolitik das Problem nicht weiterhin ignorieren kann. Bildung ist nicht beliebig verkürzbar oder stauchbar, ohne sich auch qualitativ zu verändern. Schüler (und ihre Eltern) haben ein Recht auf möglichst tiefe und breite Bildung. Und nur eine solche Bildung wird sich auch gesellschaftlich wie volkswirtschaftlich als nachhaltig erweisen.

Ein Band aus der Reihe „Pädagogik in Europa in Geschichte und Zukunft“ führt erstmals die wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Argumente und Positionen zur Problematik des G 8 zusammen. Die Diskussion erhält so wissenschaftliche Tragfähigkeit und demokratische Kontur. Die Beiträge von beiden Seiten plädieren dafür, das Problem endlich im Sinne einer fundierten Bildung unserer Schüler zu lösen:

Volker Ladenthin, Anja Nostadt, Jochen Krautz (Hgg.): weniger ist weniger. G8 und die Kollateralschäden. Analysen und Materialien, Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft Dr. Thomas Schirrmacher 2016, 234 Seiten.

  1. Keine Zeit für -Bildung und Wissen. Die Gymnasien werden zu G8-Reparaturwerkstätten umfunktioniert (Hans Peter Klein)
  2. Hat das Gymnasium in der bildungsethischen Debatte noch eine Zukunft? (Axel Bernd Kunze)
  3. G8 als Baustein eines Reformputsches gegen die humanistische Bildungskultur (Matthias Burchardt)
  4. Ein Jahr Schule macht ein Jahr mehr Qualität. G8-Bildungspolitik: mit Widersprüchen ins argumentative Abseits (Rainer Dollase)
  5. G9: Mit Druck in dei Zukunft! Anmerkungen aus universitärer Sicht (Christian Baldus)
  6. Kompetenz statt Bildung? Kompetenzorientierung ist keine Lösung, sondern das Problem (Jochen Krautz)
  7. Beobachtungen an studienspezifischen Leistungen jüngerer Studierender (Volker Ladenthin)
  8. Verstehendes Lernen braucht Zeit (Volker Ladenthin, Hans Peter Klein)
  9. Breite Mehrheit der Bevölkerung wünscht g9 an den Gymnasien – Ein politisches Lehrstück zur direkten Demokratie (Anja Nostadt)
  10. Anhang mit Material und Analysen

 

Engagement 4/2015

Die Gesellschaft wird pluraler, auch in religiöser Hinsicht. Die religiöse Sozialisation geht zurück. Wie können konfessionelle Schulen  unter diesen sich wandelnden kirchlichen und gesellschaftlichen Bedingungen ihr eigenständiges Profil weiterentwickeln? Dieser Frage geht das aktuelle Themenheft 4/2015 der Zeitschrift ENGAGEMENT nach. Im Mittelpunkt stehen dabei Aspekte einer profilorientierten Personalentwicklung, die dem besonderen Charakter kirchlicher Schulen gerecht wird. Verantwortlich für den Thementeil ist Jörg-Dieter Wächter, Erziehungswissenschaftler aus Hildesheim und Leiter der diözesanen Hauptabteilung Bildung im Bischöflichen Generalvikariat Hildesheim.

Im Rezensionsteil werden folgende Titel besprochen:

  1. Dietrich Benner, Rolf Schieder, Henning Schluß, Joachim Willems (Hgg.): Religioöse Kompetenz als Teil öffentlicher Bildung (Rezensent: Axel Bohmeyer)
  2. Lars Mohr: Schwerste Behinderung und theologische Anthropologie (Rezensent: Axel Bohmeyer)
  3. Klaus Wegleitner, Dirk Blümke, Andreas Heller, Patrick Hofmacher (Hgg.): Tod – kein Thema für Kinder? (Rezensentin: Ruth Herb)
  4. Rainer Stadler: Vater Mutter Staat. Das Märchen vom Segen der Ganztagsbetreuung – Wie Politik und Wirtschaft die Familie zerstören (Rezensent: Tillmann Kreuzer)
  5. Josef Kraus: Helikopter-Eltern (Rezensent: Gottfried Kleinschmidt)
  6. Jürgen Kaube: Im Reformhaus. Zur Krise des Bildungssystems (Rezensent: Axel Bernd Kunze)
  7. Rupert M. Scheule: Wir Freiheitsmüden (Rezensent: Matthias Bär)
  8. Karen Gloy: Komplexität. Ein Schlüsselbegriff der Moderne (Rezensent: Werner Schönig)
  9. Reinhard Dithmar: Der „Verlorene Sohn“ in Bibel, Dichtung und Bildender Kunst (Rezensent: Joachim Fischer)
  10. Johanna Lindemann, Lucie Göpfert: Die Pinguine finden ihr Glück (Rezensent: Volker Ladenthin)
  11. Joke van Leeuwen: Die erstaunliche Geschichte von Frederik: total geschrumpft (Rezensentin: Astrid Frey)
  12. Peer Martin: Sommer unter schwarzen Flügeln (Rezensentin: Cornelia Klöter)

Der Rezensionsteil wird redaktionell von Axel Bernd Kunze verantwortet. Die Zeitschrift der katholischen Schulen erscheint im Münsteraner Aschendorff-Verlag.

Ein religionssoziologischer Blick auf „Youcat“

Österreichische Bischofskonferenz (Hg.):

Youcat. Jugendkatechismus der katholischen Kirche,

München: Pattloch 2011, 304 Seiten.

Seit etwa einem halben Jahrhundert gilt es als gemeinsamer sowie unhinterfragbarer Bestandteil zumindest in der europäischen, in jedem Fall jedoch in der deutschen (Religions-)Soziologie, dass Religion in ihrer klassischen beziehungsweise christlich-kirchlichen Ausprägung zunehmend aus dem Zentrum des Relevanzsystems des Einzelnen zurückgedrängt wird. Sozialmoralisch verfasste kirchliche Milieus erodieren im Zuge vielfältiger gesellschaftlicher Individualisierungs- und Modernisierungsprozesse. Nichtsdestotrotz und andererseits behauptet Religion ihren Platz im Relevanzsystem selbst des individualisierten Menschen; denn auch beim individualisierten Menschen geht es nach der Herauslösung aus unhinterfragten und für selbstverständlich gehaltenen traditionellen Sozialbezügen um Fragen nach der Reintegration in dann anders – gleich wie – konstituierte Sozialgefüge. Definiert man Religion soziologisch nicht substantiell, sondern funktional, wie es beispielsweise Thomas Luckmann in seiner bereits Anfang der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts erschienenen und 1991 neu aufgelegten, viel beachteten Studie „Die unsichtbare Religion“ (Frankfurt am Main 1991) konstatiert hatte, dann kommt man soziologisch zu dem Schluss, dass Religion nicht nur immer noch im Zentrum des Relevanzsystems eines jeden Einzelnen steht, sondern dass Religion per se seit jeher eine Art anthropologische Grundkonstante darstellt. Der Mensch ist nach Luckmann das einzige Lebewesen, das sich selbst transzendieren kann. Somit ist jeder Mensch in der Lage beziehungsweise sogar gezwungen, sich sozusagen seine eigene Religion zusammenzubasteln, -zimmern, -schustern und so weiter. Kurz: Soziologisch muss Religion nicht immer und unbedingt etwas mit dem zu tun haben, was gemeinhin unter dem Begriff „Religion“ verstanden wird und daraus resultiert: Religion muss nicht genuin etwas mit „Kirche“, „heilig“ et cetera gemein haben, sondern kann für den Einzelnen unterschiedliche Formen annehmen (zum Beispiel Familialismus, Beruf, Körperkult).

Hiervon ist auch das kirchlich verfasste Christentum betroffen. Einerseits verflacht die Tradierung konfessionsspezifischer Glaubenselemente, die Kirchen sind in der Regel – außer zur Weihnachtszeit – leer. Andererseits erfreuen sich großangelegte Veranstaltungen, wie Kirchentage und Weltjugendtage, auch und gerade unter jungen Menschen einer sehr großen Beliebtheit. Man kann in diesem Zusammenhang auch von einer „Eventualisierung“ dieser Veranstaltungen sprechen. Die „Sehnsucht nach Sinn“, wie Peter L. Berger (Sehnsucht nach Sinn. Glauben in einer Zeit der Leichtgläubigkeit: Frankfurt am Main 1994) es einmal treffend formulierte, ist also weiterhin vorhanden. Nur ist die „Suche“ komplizierter geworden, weil es nicht mehr einen oder wenige, sondern nahezu unendlich viele verschiedene Wege gibt.

Angesichts dieser unübersichtlich gewordenen Situation bewies die katholische Kirche enormen Mut, zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Jugendkatechismus zu veröffentlichen. Das von der Österreichischen Bischofskonferenz mit Zustimmung der Deutschen sowie der Schweizer Bischofskonferenz herausgegebene Youcat ist, wie Papst Benedíkt XVI. in seinem Vorwort völlig zu Recht sagt, „ein ungewöhnliches Buch“ (S. 6), und vor allem ist „dieses Buch […] spannend, weil es von unserem eigenen Schicksal redet und darum einen jeden von uns zutiefst angeht“ (S. 10).
Youcat behandelt auf der Grundlage des Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) von 1997 die wichtigsten Aspekte des katholischen Glaubens und umfasst neben dem Vorwort von Papst Benedikt XVI. vier Teile, die jeweils aus mehreren Unterkapiteln bestehen: (1.) Was wir glauben; (2.) Wie wir die christlichen Mysterien feiern; (3.) Wie wir in Christus das Leben haben sowie (4.) Wie wir beten sollen. Sehr hilfreich ist darüber hinaus auch das umfangreiche Register (Stichwortverzeichnis sowie Verzeichnis der Definitionen), das einem die Suche nach Fundstellen erheblich erleichtert. Sehr positiv anzumerken sind die ergänzenden Elemente der Randspalte, die meist aus Zitaten oder Definitionen bestehen.

Aufgebaut ist Youcat in einer Frage- und Antwort-Form. Sehr positiv hervorzuheben, ist der strukturelle Aufbau der jeweiligen Antworten. Zunächst erhält man eine zusammenfassende Antwort auf der Basis des KKK mit den genauen Fundstellen. Daran schließt sich ein weiterer Kommentar an, der einerseits zum Verständnis beitragen und andererseits die Relevanz der behandelten Fragen betonen soll. Und genau diese Kommentare sind es, die das Werk auszeichnen, einzigartig, faszinierend und so lesenswert machen: Youcat ist in einer jugendgemäßen Sprache verfasst worden. Allein diese Tatsache dürfte es Religionslehrern und -lehrerinnen erheblich erleichtern, Jugendlichen die wesentlichen Bestandteile des katholischen Glaubens näher zu bringen.

Bei Youcat handelt es sich um ein sehr substantielles und programmatisches Werk sowie weitergehend um eine Art Nachschlagewerk. Angesichts der soziologisch durchaus nachvollziehbaren Emanzipationsbestrebungen des Islams in Mitteleuropa sowie andererseits der unter anderem auch dadurch bedingten permanenten Infragestellung christlicher Glaubensvorstellungen und -werte im christlich geprägten Mitteleuropa setzt Youcat einen eindeutigen Anker. Youcat weist auf die Stärken des Christentums hin, ohne missionierend zu sein.

Karsten Lenz (Rezensent)

Der Rezensent ist als promovierter Religionssoziologe und Publizist in München tätig.