Toleranz = Anerkennung?

Endlich  tolerant?, fragt die Wochenzeitung DIE ZEIT in ihrer Ausgabe vom 10. Dezember 2015. Die Frage steht über einem Doppelinterview über religiösen Pluralismus mit den beiden Theologen Saskia Wendel und Christoph Theobald. Anlass ist ein Kongress in München unter dem Titel „Das Konzil eröffnen“, der anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums des Zweiten Vatikanischen Konzils stattfand.

Saskia Wendel fällt es manchmal schwer, tolerant zu sein – so lesen wir in dem Interview. Die Antwort der Kölner Theologin im Gespräch mit der „Zeit“ verwundert nicht. Denn gleich zu Beginn begeht die Professorin einen Denkfehler, der vor Zeiten bereits in jeder Proseminararbeit rot angestrichen worden wäre: „Toleranz heißt Anerkennung (…) der Überzeugung anderer.“ Es war nicht zuletzt die falsche Ineinssetzung von Toleranz und Anerkennung, die im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg viel Wirbel um die geplante Bildungsplanreform 2016 auslöste.

Verwundert fragt man sich, warum eine Systematische Theologin nicht mehr Differenzierungsvermögen aufbringen kann. Toleranz meint Duldung, das Aushalten fremder Überzeugungen, ohne gegen diese gewaltsam vorzugehen – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn das gelingt, ist es schon eine Menge. Wer meint, alles akzeptieren zu müssen, nimmt letztlich keine Überzeugung mehr ernst. Hier hat das Christentum abgedankt, alles scheint im wahrsten Sinne des Wortes „gleich-gültig“ zu sein. In welche Kultur soll sich jemand, der bei uns leben möchte, dann überhaupt noch integrieren können? Ein so verstandener Toleranzbegriff bedeutet Preisgabe der eigenen Identität. So wird weder das Christentum in den vor uns liegenden geistigen Auseinandersetzungen bestehen können noch wird unsere christlich-abendländische Werteordnung auf diese Weise Bestand haben.

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